Bundestagsrede von 26.03.2009

Europäischer Haischutz

Undine Kurth (Quedlinburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Entgegen weitverbreiteter Vorstellungen, Haie kämen bei uns nicht vor, leben etwa 130 verschiedene Hai-, Rochen- und Chimärenarten in den EU-Gewässern. Deren Bestände wurden in den letzten Jahren stark dezimiert. Gründe dafür sind hauptsächlich die nicht nachhaltige Fischerei und die gestiegene Nachfrage nach Haiprodukten, insbesondere nach Haiflossen im asiatischen Raum. Haie werden nicht nur als Beifang angelandet, sondern seit Mitte der 80er-Jahre auch verstärkt gezielt gejagt.

Haie aber sind gegenüber Überfischung besonders empfindlich, da die meisten Haiarten sehr langsam wachsen, sehr alt werden und nur wenige Nachkommen haben. Laut Weltnaturschutzunion, IUCN, ist rund ein Drittel der Haiarten in den europäischen Gewässern vom Aussterben bedroht. Zudem gibt es einen deutlichen allgemeinen Rückgang der Haipopulationen.

Neben der negativen Auswirkung der Dezimierung der Haibestände auf die Haiarten selbst kann diese auch sehr ernste Folgen für das gesamte Meeresökosystem sowie die Fischereiwirtschaft haben. Haie stehen im Meeresökosystem an der Spitze der Nahrungspyramide, sie tragen zur Gesunderhaltung der Beutetierbestände bei und haben daher eine wichtige Funktion. Ein stärkerer Schutz der Haie - insbesondere der bereits gefährdeten - ist daher dringend erforderlich.

Am 5. Februar hat die EU-Kommission einen Aktionsplan zur Erhaltung und Bewirtschaftung der Haibestände in europäischen Gewässern - den sogenannten Haiaktionsplan - vorgelegt. Wir begrüßen diesen Schritt der EU-Kommission sehr, da der Aktionsplan gute Vorschläge für Maßnahmen enthält, um unter anderem Haibestände und -fischereien sowie die Rolle der Haiarten im Ökosystem besser zu erforschen, eine nachhaltigere, gezielte Haifischerei durchzusetzen und Beifänge zu regulieren und eine strengere Überwachung des Finningverbots zu erzielen.

Teilweise sind die Vorschläge im EU-Haiaktionsplan jedoch sehr vage gehalten, weswegen die Phase der Implementierung der vorgeschlagenen Maßnahmen und die Umsetzung des Aktionsplans nun entscheidend sein werden. Bereits am 24. und 25. April soll auf der Ratssitzung über den Aktionsplan entschieden werden. Daher fordern wir die Bundesregierung auf, sich bei dieser Ratssitzung im Sinne des Haischutzes für eine konsequente und zügige Verabschiedung und Umsetzung des EU-Haiaktionsplans einzusetzen und bereits im Vorfeld konkrete Maßnahmen zu erarbeiten.

Konkret fordern wir die Einführung einer obligatorischen Meldepflicht der Haifänge und Beifänge von Haien für die EU-Mitgliedstaaten, um die Situation der Bestände besser erfassen zu können, die Fang- und Beifanghöchstgrenzen für alle Haiarten zu reduzieren und für gefährdete Haiarten wie Dornhai oder Heringshai auf Null herabzusetzen, die Schließung der Ausnahmeregelungen und Schlupflöcher des EU-weiten Finningverbots und stärkere Kontrollen an Bord der Fischtrawler zur Überwachung des Verbots und die Aufklärung und Information der Bevölkerung über mögliche gesundheitsschädigende Auswirkungen des Verzehrs von Haifleisch zu verstärken. Auch in Deutschland wird Haifleisch - unter anderem in Form von Haisteaks oder vor allem unter dem Namen Schillerlocke - konsumiert. Doch der Verzehr kann negative Folgen für die Gesundheit haben, da Haifleisch stark mit toxischen Substanzen wie Methylquecksilber belastet ist, welches von der WHO als möglicher Krebsauslöser geführt wird.

Es ist höchste Zeit, den Haischutz auf europäischer Ebene voranzutreiben. Der Aktionsplan der EU-Kommission muss daher zügig und konsequent umgesetzt werden. Im Sinne eines konsequenten Verbraucherschutzes ist darüber hinaus die Aufklärung über mögliche gesundheitliche Risiken durch den Verzehr von Haiprodukten dringend erforderlich. Ich bitte Sie daher, unserem Antrag zuzustimmen.

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