Bundestagsrede 29.05.2009

25 Jahre Parlamentarisches Patenschafts-Programm

Anna Lührmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ich kann mich noch gut an die Gefühle erinnern – im Flugzeug auf dem Weg zu meinem Austauschjahr mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm nach Syracuse, New York, im August 1999. Da war Vorfreude – auf die vielen interessanten Begegnungen und Einblicke in eine neue Kultur; Abschiedsschmerz – von meinen Freunden und meiner Familie in Deutschland; Hoffnung – auf eine nette und herzliche Gastfamilie; und natürlich auch ein klein wenig Angst vor der Herausforderung, al­leine ein Jahr in der Fremde zu verbringen. Würde ich wirklich damit zurechtkommen?

Nach einem Jahr bin ich voller positiver Erfahrungen nach Deutschland zurückgekehrt. Eine amerikanische Familie hat ihr Haus und Herz für mich geöffnet und wurde zu meinem neuen Zuhause. Natürlich gab es auch einige Durststrecken, kulturelle Missverständnisse und Ärgernisse. Aber im Großen und Ganzen habe ich durch dieses Austauschjahr ein großes Vertrauen in meine Mit­menschen gewonnen – egal aus welchem Kulturkreis. Herzlichkeit, Menschlichkeit und Freundschaft gibt es überall auf der Welt. Der Sprung ins kalte Wasser ist mit einer Erweiterung meines Horizontes belohnt worden. Für mich war es eine sehr wertvolle Erfahrung, im eigenen Alltag zu erleben, was es bedeutet, in der Minderheit und damit "anders" zu sein. In einem Jahr in einer fremden Kultur konnte ich diese wirklich kennenlernen – ihre Re­geln, ihre Geschichte und Traditionen. Dadurch konnte ich viele amerikanische Eigenarten verstehen, die an der Oberfläche seltsam erscheinen. Daraus ist nicht nur Tole­ranz erwachsen, sondern vielmehr ein tiefer Respekt für andere Kulturen und Religionen.

18 500 junge Deutsche und Amerikaner haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Wahrscheinlich würden wir in ei­ner friedlicheren und respektvolleren Welt leben, wenn mehr Menschen ein Jahr im Ausland verbringen würden. Denn wer sich kennt, kann sich nicht aufgrund von Vor­urteilen hassen.

Das PPP im Speziellen leistet darüber hinaus einen wertvollen Beitrag zu den transatlantischen Beziehungen. Als Abgeordnete habe ich mehrfach an offiziellen Dele­gationsreisen in die USA teilgenommen. Durch mein Austauschjahr konnte ich bei diesen Gelegenheiten in besonderer Art und Weise zum transatlantischen Dialog beitragen. Daher wünsche ich dem PPP mindestens 25 wei­tere Jahre erfolgreichen Austauschs! Ich appelliere an alle Beteiligten und Verantwortlichen in Deutschland und den USA, weiterhin möglichst vielen jungen Menschen die eine Teilnahme am PPP zu ermöglichen. Besonders bedanken möchte ich mich bei den Gastfamilien und all den anderen Freiwilligen, die durch ihr ehrenamtliches Engagement bei der Betreuung der Austauschschüler das PPP erst möglich machen. Danke!
288263