Bundestagsrede von Britta Haßelmann 28.05.2009

Aufhebung diskriminierender Altersgrenzen

Britta Haßelmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Es ist wirklich bedauerlich, dass die Große Koalition nicht über ihren Schatten springen kann, um unserem An­trag "Altersgrenzen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements aufheben" zuzustimmen. Dabei ist es offen­sichtlich, dass hier nicht die inhaltliche Auseinanderset­zung das Votum begründet. Das Bundesseniorenministe­rium hat ja sogar ein Gutachten in Auftrag gegeben, um die bestehenden Altersgrenzen zu untersuchen. Auf die Ergebnisse – die ursprünglich im November vorliegen sollten – warten wir allerdings noch immer.

Aber übersetzen wir ihre politische Entscheidung, die­sen Antrag abzulehnen, doch einmal in die gesellschaftli­che Realität und schauen fünf Jahre in die Zukunft. 2014 ist die zweite Amtszeit des frisch gewählten Bundespräsi­denten gerade abgelaufen. Auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung wird er eventuell auch das Amt ei­nes Schöffen in Erwägung ziehen. Warum auch nicht? Doch leider wird ihm dann der Weg für diese Art des bür­gerschaftlichen Engagements nicht offen stehen.

Sie schließen die Augen vor einer Gesellschaft, die im­mer älter wird und immer fitter bleibt. Dabei ist es eigent­lich nicht zu übersehen: In einer alternden Gesellschaft müssen wir die Altersgrenzen ganz neu überdenken, si­cherlich nicht nur im Bereich des bürgerschaftlichen En­gagments, aber eben auch dort – oder besser: eben genau dort. Denn in einer Gesellschaft, in der es immer weniger junge Menschen gibt und immer mehr ältere, brauchen wir Angebote und Möglichkeiten, auch in der nachberuf­lichen Phase aktiv an dieser Gesellschaft teilzuhaben.

Partizipation ist das Schlüssel-, ja das Zauberwort für eine Gesellschaft im demografischen Wandel. Nur wenn wir es schaffen, auch unsere älteren Bürgerinnen und Bürger in die Gesellschaft einzubinden, dann ist sie auch gerecht. Altersgrenzen relativieren sich in einer Gesell­schaft, in der die ältere Generation zunehmend heteroge­ner wird. Die Schutzfunktion, die Altersgrenzen für die Planung des Lebenslaufs entfaltet haben, ist angesichts der gesellschaftlichen Wandelprozesse in der Form nicht mehr aktuell. Hier ist die Politik gefragt, neue Wege zu gehen – auch um dem ursprünglichen Schutzgedanken wieder gerecht zu werden. Die Antwort auf die zuneh­mende Heterogenität kann daher nur sein, den Zugang zu den Angeboten für die gesellschaftliche Teilhabe im Alter quantitativ und qualitativ zu verbessern.

Es ist daher ein gutes Signal, dass zumindest die Op­position die Zeichen der Zeit erkannt hat und diesem An­trag geschlossen zustimmen wird.
288190