Bundestagsrede von 01.07.2010

Validierungsförderung der Wirtschaft

Krista Sager (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Die Koalitionsfraktionen haben einen Antrag zur Validierungsforschung vorgelegt, zur verbesserten Bewertung des Potenzials von Ergebnissen aus der öffentlichen Grundlagenforschung für den Transfer in Richtung Anwendung und Innovation. Die Zielsetzung ist richtig und die Entwicklung eines entsprechenden Förderkonzepts überfällig. Mehrfach haben Innovationsexperten in den letzten Jahren bei der Validierungsforschung politischen Handlungsbedarf identifiziert. Zuletzt mahnte 2009 die Expertenkommission für Forschung und Innovation eindringlich die Schließung dieser Förderlücke an. Im Bundeshaushalt sind schon seit zweieinhalb Jahren entsprechende Mittel veranschlagt. Aber was immer gefehlt hat, war ein Konzept für diesen Forschungsansatz.

Wer nun gehofft hat, was lange währt, wird endlich gut, sieht sich allerdings enttäuscht. Das, was CDU/CSU und FDP vorgelegt haben, schrammt zielgenau am eigentlichen Sinn der Validierungsforschung vorbei. Eine Förderlücke besteht vor allem bei der Validierung von High-Risk-Projekten, also bei Ergebnissen aus der Grundlagenforschung, bei denen das Transfer- und Vermarktungspotenzial tatsächlich unklar ist, die Erfolgs-chancen ungewiss sind und die eigene Bewertung durch die Grundlagenforscher selbst kaum zu leisten ist. Für die nötige Validierungsprüfung haben die Grundlagenforscherinnen und -forscher in den Hochschulen und öffentlichen Forschungseinrichtungen weder die Mittel noch das Wissen über Märkte und Marktchancen. Weil der Ausgang der Bewertung aber so ungewiss ist, können und wollen auch private Kapitalgeber und Unternehmen nicht oder noch nicht einspringen. Im Endeffekt bleiben gerade die Chancen und Möglichkeiten aus solchen High-Risk-Projekten sehr oft ungenutzt, auch wenn sie den Weg für vielversprechende Innovationssprünge öffnen könnten. Genau diese vielversprechenden, hochgradig ungewissen Projekte wird die neue Fördermaßnahme des BMBF kaum erreichen.

Das schwerfällige Antragsverfahren, die Suche nach einem Innovationsmentor, der ehrenamtlich tätig sein soll, und die Durchführung der Prüfung werden echte Grundlagenforscher eher abschrecken. Ihr VIP-Programm könnte seinen eigentlichen Sinn genauso leicht verfehlen wie zuvor schon die Forschungsprämie des BMBF. Statt der raschen und effizienten Validierungsprüfung, damit potenzielle Kapitalgeber ihre Investitions-entscheidung treffen können, steht bei ihrem Konzept die möglichst umfangreiche Weiterentwicklung der Invention im Fokus. Im günstigsten Fall nehmen die Grundlagenforscher aus den öffentlichen Forschungseinrichtungen und Hochschulen den Aufwand auf sich, weil sie sowieso mit der Marktgängigkeit und technischen Machbarkeit rechnen. VIP wäre dann nichts anderes als ein weiteres Innovationsförderprogramm, wie es sie für Start-ups, Ausgründungen und den Anwendungstransfer bereits gibt. Diese Gefahr ist dem BMBF durchaus bewusst. Sonst würden Sie nicht darauf hinweisen, dass die Antragsteller doch zuerst prüfen sollen, ob es nicht schon andere, europäische, nationale oder bundesländerspezifische Förderprogramme gibt. Die neue Maßnahme fördert also nicht vorrangig echte Validierungsforschung, sondern bestenfalls die Weiterentwicklung bereits vorvalidierter Vorhaben. Statt Brücken zu bauen – wie der Antrag der Koalitionsfraktionen irreführenderweise heißt –, finanziert die Regierung die Weiterfahrt auf bereits durch normale Transferprogramme gut begleiteten Wegen.

Wir lehnen daher den Antrag der Koalitionsfraktionen ab. Ihr Konzept geht am Problem vorbei. Der Antrag der SPD-Fraktion erscheint uns besser geeignet, die Validierung hoch ungewisser Ergebnisse aus der Grundlagenforschung zu fördern. Wir befürworten daher, das Konzept der SPD auszuprobieren.
346089