Bundestagsrede von 07.07.2011

Sicherung bezahlbarer Mieten

Vizepräsident Eduard Oswald:

 Jetzt spricht für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen unsere Kollegin Daniela Wagner. Bitte schön, Frau Kollegin Daniela Wagner.

Daniela Wagner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Debatte und die Rede von Kollegin Remmers haben deutlich gemacht, dass die wohnungs- und mietpolitischen Träumereien der Linken von der Berliner SPD mittlerweile erfolgreich geglättet worden sind. Herausgekommen ist ein Gesetzentwurf, dem man seine Zustimmung, jedenfalls über weite Strecken, nicht verweigern kann.

(Sebastian Körber [FDP]: Na bitte!)

Man hat allerdings ein bisschen den Eindruck, dass die Debatte zur Unzeit stattfindet. Sie steht eigentlich dann an, wenn wir über eine Mietrechtsnovelle reden.

Richtig ist aber auch – damit haben Sie recht –, dass unsere Wohnungsmärkte vor massiven Herausforderungen stehen. Ohne die umfassen-de energetische Modernisierung unseres Gebäudebestands wird die Energiewende nicht zu schaffen sein.

Wir alle wissen: 40 Prozent der Energie wird zurzeit im Gebäudebestand verbraucht.

Außerdem haben wir aufgrund des demografischen Wandels einen Mehrbedarf an ungefähr 2,5 Millionen barrierereduzierten bzw. barrierefreien Wohnungen. Bis 2030 wird dieser sogar noch auf 3 Millionen steigen.

Die weitreichenden Investitionen, die dafür zu tätigen sind, werden erhebliche Folgen sowohl für die Gebäudeeigentümer als auch für die Mieterinnen und Mieter haben. Das Mietrecht ist nun einmal das zentrale Instrument, mit dem man solche Fragen regeln und Konflikte entschärfen kann. So kann man ja Mietanstiegsdynamiken ausbremsen oder beschleunigen. Insbesondere in Metropolregionen mit angespannten Wohnungsmärkten besteht im Moment durchaus die Gefahr – das ist wahr –, dass einkommens-schwächere Mieterinnen und Mieter unter dem Deckmantel der energetischen Sanierung aus ihren Wohnungen heraussaniert werden. Das kann man nicht wollen. Dem muss man etwas entgegensetzen.

Wir sind aber auch der Meinung, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass Mieterinnen bzw. Mieter, Vermieter, Klima- und Mieterschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wir glauben, dass ein soziales und klimafreundliches Mietrecht möglich ist und dass der Interessenausgleich mit den bestehenden Regelungen zu bewältigen ist. Wir glauben vor allen Dingen, dass sich eine angemessene Förderung, sowohl KfW-Förderprogramme als auch steuerliche Entlastung – beides muss ja gemäß § 559 a BGB weitergegeben werden –, mietmindernd auswirkt. Von jeder Art von Entlastung des Eigentümers soll nämlich auch die Mietpartei etwas haben.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der LINKEN)

Im Moment ist vorgesehen, dass das Gebäu-desanierungsprogramm künftig aus dem Sonder-vermögen „Energie- und Klimafonds“ finanziert werden soll. Täglich lese ich in der Zeitung neue Berichte darüber, was aus diesem Fonds noch alles finanziert werden soll. Insofern sind wir skeptisch, dass das Geld tatsächlich dort landet, wo es landen müsste. Für das KfW-Förderprogramm „Altersgerecht Umbauen“ stehen praktisch gar keine Mittel mehr zur Verfügung, obwohl seine Bedeutung in jeder Rede betont wird. Das ist, finde ich, eine Art wohnungspolitischer Geisterfahrt, liebe Kolleginnen und Kol-legen von der Koalition.

Jenseits vom Mietrecht und jenseits der Frage „Absenkung der Kappungsgrenze“ ist das Wirtschaftsstrafrecht zu erwähnen, das auch jetzt schon wirksam wird. Im Volksmund ist das der Mietwucherparagraf. Das Begehren ist nun, dass dieser Paragraf auch stadtteilbezogen angewendet werden kann. Das ist sinnvoll; denn auf die ganze Stadt bezogen kommt er praktisch nie zur Anwendung, weil extreme Wuchermieten durch niedrige Mieten im Mittel ausgeglichen werden. Auch Sie wissen natürlich, dass es vernünftig ist, diesen Paragrafen gebietsweise zur Anwendung zu bringen.

(Siegfried Kauder [Villingen-Schwenningen] [CDU/CSU]: Und woher wissen Sie das?)

Die einzelnen mietrechtlichen Normen werden wir sicher im September einer eingehenden Wür-digung unterziehen. Lassen Sie mich jetzt nur so viel sagen: Die Drittelung der Belastung ist unser Credo. Wir wollen, dass die Mieterinnen und Mieter, die Vermieter und der Staat sich die Last der energetischen Gebäudesanierung und der Energiewende teilen, und dazu ist es erforderlich, dass für die Förderprogramme zur energetischen Gebäudesanierung auf jeden Fall Mittel in aus-reichender Höhe und vor allem verstetigt zur Verfügung stehen.

Danke schön.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Otto Fricke [FDP]: Und woher kommt da das Geld?)

Vizepräsident Eduard Oswald:

Vielen Dank, Frau Kollegin.

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