Bundestagsrede von 27.05.2011

Klima- und Umweltschutz im Sport

Viola von Cramon-Taubadel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Zunächst einmal möchte ich meine große Freude darüber ausdrücken, dass die Regie-rungskoali¬tion sich eines Themas annimmt, das bei uns Grünen seit langem eine wichtige Rolle spielt: die Funktion des Sports für einen positiven Um-gang mit Natur. Weder der Individual- noch der or-ganisierte Sport sind jedoch per se Umweltschüt-zer. Naturräume sind durch den Sport ebenso star-ken Belastungen ausgesetzt. Es ist also gut, sei-tens des Gesetzgebers eine systematische Ver-knüp¬fung von Umwelt- und Klimaschutz mit dem Sport ein¬zufordern. Nun gilt es, zu schauen, mit welchen Mitteln Sie dies versuchen und wie Sie die Akteure für eine ak¬tive Mitarbeit gewinnen wollen.

Richtig ist: Die Natur ist einerseits ein wichtiger Raum für den Sport. Andererseits ist sie vielfältigen ne¬gativen Auswirkungen durch den Sport ausgesetzt. Rich¬tig ist weiterhin – in Ihrem Antrag explizit genannt –, dass Umweltbelastungen und Schäden durch Sportakti¬vitäten nach dem Verursacherprinzip getragen werden müssen und nicht auf Dritte abgewälzt werden dürfen. Negative externe Effekte gibt es nicht nur beim Sport¬treiben; aber eben auch hier müssen sie mit in die Ge-samtkalkulation einfließen. Wir Grünen teilen und be¬grüßen diese Einschätzung der Koalition. Wir haben dies seit Jahren gefordert.

Internalisierung dieser Kosten bedeutet aller-dings auch an vielen Stellen Erhöhung der Kosten für die Be¬teiligten. Davon ist in Ihrem Antrag nichts zu lesen. Da¬mit ist er vielmehr ein „Wohlfühlantrag“ und keine ehr¬liche Analyse der notwendigen Schrit-te. Was bedeutet es denn konkret, Schäden durch den Sport bei uns oder in anderen Regionen der Welt zu verringern, auszugleichen und die Kosten dafür zu tragen? Wir brauchen mehr Um¬weltbildung für Kinder und Jugendliche, mehr Be-ratungsangebote für die Sportvereine sowie um-fang¬reichere Forschungsprojekte am Bundesinsti-tut für Sportwissenschaft. Wir sind gerne bereit, Sie und die Bundesregierung bei der Umsetzung der Forderungen Ihres Antrags zu unterstützen. Es müssen allerdings kon¬krete Mittel dafür bereitge-stellt werden, anstatt nur da¬rüber zu reden.

Der Antrag vertritt außerdem die Auffassung, dass die Bundesregierung und die Sportverbände durch Leitpro¬jekte schon jetzt in vielen Bereichen ihrer Verantwortung gerecht würden. Ein paar be-grüßenswerte Leitprojekte sind aus grüner Sicht jedoch noch nicht genug. Von „Verantwortung ge-recht werden“ kann erst dann die Rede sein, wenn verbindliche Standards auf allen Ebe¬nen zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Davon sind wir noch weit entfernt. Wir dürfen uns nicht bloß für Nachhaltigkeitskonzepte einsetzen, wie es Ihr An-trag fordert, sondern wir müssen sie für alle Sport-großveran¬staltungen verbindlich machen und könn-ten uns damit noch deutlicher, auch international, an die Spitze der Be¬wegung stellen.

Umweltschutz ist kein Selbstläufer. Sie loben zu Recht die Nachhaltigkeitskonzepte der Fußball-weltmeis¬terschaft der Frauen und der Olympiabe-werbung 2018. Doch wer hat viele Jahre lang für diese Nachhaltigkeits¬konzepte gekämpft? Wer sorgt durch mühevolle Detail¬arbeit dafür, dass Ver-einbarungen nicht nur Lippenbe¬kenntnisse bleiben? Es sind besorgte Bürgerinnen und Bürger, die sich nicht ausreichend einbezogen fühlen. Es sind die Naturschutzverbände und es sind grüne Politike-rinnen und Politiker von der Kommunal- bis zur Bundes¬ebene. Das Umwelt- und Nachhaltigkeits-konzept der Olympiabewerbung München 2018 kann im Falle des Zuschlags dazu dienen, die ne-gativen Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten.

Angesichts der Vorbehalte gegenüber der Be-werbung in Teilen der Bevölkerung vor Ort und in-nerhalb der Par¬tei Bündnis 90/Die Grünen halte ich es jedoch für eine bodenlose Übertreibung, dass dieses Konzept laut Ihrem Antrag „Sport im Ein-klang mit der Natur“ ermöglichen soll. Wie nachhal-tig das Konzept, das derzeit vorliegt, tatsächlich ist, ließe sich jedoch erst nach Abschluss der Olympischen Spiele beurteilen. Der Umweltschutz hat sich durch das kontinuierliche Engagement besorgter Bürgerinnen und Bürger etabliert. Es waren Menschen, die nicht lockergelassen haben. Solange die Kritik der Gegnerinnen und Gegner im Raum steht, dürfen wir da¬her auch bei der Olympiabewerbung 2018 nicht denken, unsere Hausaufgaben seien gemacht.

In Ihrem Antrag loben Sie das Kapitel „Sport und Umwelt“ im 12. Sportbericht der Bundesregierung. Ihrer Meinung nach dokumentiere dieses Kapitel anschaulich die eben erwähnte These, dass der organisierte Sport be¬reits in „vielen Bereichen sei-ner Verantwortung gerecht“ werde. In einem 130-seitigen Bericht sind das allerdings nur etwas mehr als zwei Seiten, und zwar im vorletzten der sechs Teile des Berichts. Das Thema Umwelt ist ein klas-sisches Querschnittsthema und muss sich damit durch alle Bereiche ziehen. Mein Vorschlag wäre, wenn ich Ihrem Antrag Glauben schenken darf, dass ein Kapi¬tel „Sport und Umwelt“ auch ganz zentral im ersten Teil vorkommt. Der heißt nämlich: „Allgemeine Rahmenbe¬dingungen der Sportpolitik“.

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