Bundestagsrede von Agnieszka Brugger 27.10.2011

Bessere Betreuung des Zivilpersonals in Konflikten

Agnes Malczak (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Internationale Konflikte lassen sich häufig weder ohne Weiteres verhüten noch schnell und einfach lösen. Sie haben komplexe Ursachen und sind geprägt von Ungewissheiten. Wenn wir Konflikte verhindern und nachhaltig Frieden schaffen wollen, sind wir in großem Maße auf das Engagement ziviler Fachkräfte angewiesen. Erst durch ihre Arbeit werden die Grundlagen für eine dauerhafte Konfliktbewältigung und einen stabilen Frieden geschaffen.

Derzeit setzen sich Tausende Frauen und Männer weltweit mit zivilen Mitteln für den Frieden ein. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Menschen bereit sind, derartige Herausforderungen unter schwierigen Bedingungen anzunehmen. Ohne ihr Engagement könnten wir kaum etwas zur Prävention und Lösung von Konflikten beitragen. Darum gehören den zivilen Fachkräften unsere größte Anerkennung, unser Respekt und unser Dank!

Ihr Engagement muss uns Verpflichtung sein, alles zu tun, um gute Rahmenbedingungen für die Bewältigung dieser Aufgaben zu schaffen. Natürlich gehört dazu, die notwendigen Mittel und Ressourcen für die verschiedenen Projekte zur Verfügung zu stellen. Aber hier geht es heute um etwas anderes. Heute geht es um die zivilen Fachkräfte, um die Menschen selbst.

Sie stehen nicht nur vor besonderen Herausforderungen, wenn es um die Umsetzung ihres Auftrages geht. Es stellen sich auch ganz persönliche Herausforderungen durch den Aufenthalt in einem anderen Land und unter Umständen durch das Leben in einer Krisen- und Konfliktregion. Die Rückkehr in die Heimatgesellschaft ist ein Schritt, der durchaus Probleme mit sich bringen kann. Die Reintegration in den Alltag in Deutschland und in den Arbeitsmarkt verlaufen nicht immer reibungslos. Unter Umständen sind die Frauen und Männer während ihres Einsatzes aber auch enorm belastenden Situationen ausgesetzt. Gewalt und menschliches Leid mitzuerleben, kann auch langfristige Auswirkungen auf die Menschen und ihre psychische Gesundheit haben – besonders, wenn zivile Kräfte selbst Ziel von Gewalt werden. Durch die Medien gegangen sind jüngst Ereignisse in Afghanistan. Aber auch in vielen anderen Einsatzgebieten erleben zivile Fachkräfte immer wieder Bedrohungs- und Belastungssituationen.

Es liegt in unserer Verantwortung, dass zivile Fachkräfte – zumal wenn sie sich im Namen von Deutschland engagieren – mit diesen Herausforderungen und Erfahrungen nicht allein gelassen werden.

Im Zusammenhang mit den Einsätzen der Bundeswehr ist inzwischen ins Bewusstsein gerückt, dass eine schlimme Folge der Einsätze auch eine Traumatisierung der Soldatinnen und Soldaten sein kann. Es hat eine Weile gedauert, bis alle diesen Zusammenhang auch akzeptiert haben. Aber das Parlament hat sich mit diesem Thema in den vergangenen zwei Jahren intensiv auseinandergesetzt und Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Prävention zu verbessern und den Betroffenen ein Netz von Betreuung und Beratung anzubieten – auch wenn in diesem Bereich noch nicht alle Probleme gelöst sind. Mit der Verabschiedung des Einsatzversorgungs-Verbesserungsgesetzes morgen werden schließlich auch Verbesserungen bei der sozialen Versorgung vorgenommen.

Bei der sozialen und psychosozialen Betreuung des Zivilpersonals hat Schwarz-Gelb aber bisher keine wesentlichen Verbesserungen gebracht. Sie lassen die zivilen Kräfte und auch alle Organisationen in diesem Bereich mit der Bewältigung der Folgen eines Einsatzes allein. Wie so oft ignorieren Sie Probleme und verschleppen Lösungen.

Wenn wir es mit dem Ziel der zivilen Konfliktprävention und -lösung ernst meinen, müssen wir unser Augenmerk auf die Einsatzsituation der zivilen Kräfte richten. Wir haben eine Verantwortung für diese Menschen. Darum fordern wir von der Bundesregierung, sich verantwortungsbewusst mit den Herausforderungen für die zivilen Fachkräfte auseinanderzusetzen und sie wo immer möglich zu unterstützen.

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