Bundestagsrede von Kai Gehring 28.06.2012

Lehrerausbildung

Kai Gehring (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Es ist offenkundig, dass es einen großen Reformbedarf bei der Lehrerbildung gibt. Das hat nicht zuletzt das öffentliche Fachgespräch im Bildungsausschuss des Bundestags am 25. Juni gezeigt. Eine Modernisierung der Lehrerbildung ist überfällig, die geplante Bund-Länder-Initiative muss daher ein Erfolg werden.

Alle Kinder und Jugendlichen brauchen Lehrerinnen und Lehrer mit starken fachlichen, (fach)didaktischen, pädagogischen, diagnostischen, methodischen und psychologischen Kompetenzen. Eine moderne Lehrerausbildung muss Pädagoginnen und Pädagogen auf die neuen großen gesellschaftlichen Herausforderungen vorbereiten. Wir brauchen Lehrerinnen und Lehrer, die individuell fördern, mit heterogenen Lerngruppen professionell umgehen sowie Inklusion und Integration umsetzen können.

Über die notwendigen Ziele einer Reform der Lehrerausbildung scheint sich zwischen den Fraktionen zunehmend Einigkeit zu entwickeln. Das zeigt auch der Antrag der Fraktion Die Linke, bei dem – bezogen auf die Ausbildungsziele angehender Lehrkräfte – vieles zu begrüßen ist und von uns geteilt wird. Allerdings wird in dem Antrag der Aspekt der Fort- und Weiterbildung leider gänzlich ausgeblendet. Niemand kann und darf warten, bis es zu einem kompletten Austausch der Lehrkräfte gekommen ist. Fort- und Weiterbildung müssen gleichrangig zur Ausbildung von Lehrkräften gesehen werden.

Bei allen interfraktionellen Gemeinsamkeiten der Ziele ist im Fachgespräch des Bildungsausschuss einmal mehr offenkundig geworden, dass weder Bundesregierung noch die Regierungsfraktionen ein klares Konzept für die Verbesserung der Lehrerbildung und ihre angekündigte Exzellenzinitiative haben. Von der Qualitätsmessung über das konkrete Wettbewerbs- und Auswahlverfahren bis hin zur Etatisierung gibt es zahlreiche Fragezeichen.

Wenig aufschlussreich ist auch die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage unserer Fraktion, Bündnis 90/Die Grünen, mit dem Titel Programm zur Verbesserung der Lehrerbildung. Ministerin Schavan bleibt Antworten schuldig zu Zielrichtung, Umfang, Kosten und Start einer Bund-Länder-Qualitätsoffensive Lehrerbildung. 16 der 29 Fragen sind gar nur mit dem Satz beantwortet, man befinde sich mit den Ländern in Verhandlungen. Es gibt also derzeit mehr Unklarheit als Klarheit über das Programm.

Diese dünne Antwort des BMBF steht im krassen Gegensatz zu den Details, die Ministerin Schavan medial bereits im Frühjahr präsentiert hat. Da ist von 10 bis 16 „Zukunftskonzepten“ die Rede, von einer Fördersumme von jeweils 16 Millionen Euro im Jahr für eine einzelne Hochschule und auch davon, dass die Initiative bei einer Laufzeit von zehn Jahren mit insgesamt 500 Millionen Euro unterlegt werden soll. Anstatt Verwirrspielchen und Desinformation zu betreiben, muss zügig ein konsensfähiges Konzept für eine Bund-Länder-Initiative Lehrerbildung auf den Tisch. Dabei sollte sich Schwarz-Gelb weder begrifflich noch methodisch auf die Exzellenzinitiative beziehen, sondern eher den Qualitätspakt Lehre zum Vorbild nehmen. Auf diese Weise ließe sich echte Breitenwirkung statt Leuchtturmcharakter erreichen.

Ebenso falsch wie eine isolierte Exzellenzinitiative ist die Forderung der Fraktion Die Linke, mit der geplanten Qualitätsoffensive Lehrerausbildung alle Hochschulen auf einmal zu bedenken. Statt eines wenig zielgenauen Gießkannenprinzips brauchen wir eine breit angelegte und wirksame Qualitätsoffensive Lehrerbildung. Das bedeutet, dass eine Förderung daran gekoppelt werden sollte, ob eine Hochschule ein schlüssiges, für förderfähig befundenes Konzept vorlegt, wie sie die Lehrerbildung vor Ort verbessern will – so wie es unter anderem der Sachverständige der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW, während des Fachgesprächs im Bildungsausschuss skizziert hat.

Ein Förderprogramm von Bund und Ländern zur Verbesserung der Lehrerbildung sollte gute Beispiele unterstützen, die dann Impulse für die Verbesserung der Lehrerbildung an anderen Hochschulen auslösen. Solch ein weitreichendes Programm, das Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften letztlich an allen Hochschulen in Bewegung bringen hilft, hat unsere Unterstützung.

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