Bundestagsrede von Claudia Roth 29.11.2012

Barrierefreies Filmangebot

Claudia Roth (Augsburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Als Mitglied der Jury des „Deutschen Hörfilmpreises“ konnte ich eindrucksvoll erfahren, dass es manchmal relativ einfache Mittel sind, die eine inklusive Politik ermöglichen, zum Beispiel Beschreibungen eines Filmgeschehens, die zur Tonspur des Films hin-zugestellt werden. Die auf diese Weise entstehenden Hörfilme richten sich an Menschen mit Sehbehinderungen und ermöglichen es ihnen, den Film viel besser zu verfolgen. Ähnliches gilt für Untertitelungen, die den Zugang für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen erleichtern. Die Kosten, die hierfür anfallen, sind relativ gering, nur circa 5 000 Euro für einen abendfüllenden Film.

Vor diesem Hintergrund hat es mich sehr verwundert, wie klein das Angebot an barrierefreien Filmen auf dem deutschen Markt ist und wie wenig man das Millionenpublikum der Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen beachtet. Und es geht ja nicht nur um Marktchancen, sondern um Teilhabe am Kulturleben und um Rechte, die sich nicht zuletzt aus der Konvention über die Rechte der Menschen mit Behinderungen herleiten, die ganz eindeutig auch eine inklusive Kulturpolitik fordert.

Ich habe mich gefragt, wo es hier eigentlich klemmt. Im Gespräch mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband erfuhr ich, dass das in der letzten Novelle des Filmfördergesetzes eingeführte Förderkriterium der Barrierefreiheit offensichtlich nicht zog. Die mit der Erstellung von barrierefreien Filmen befassten Institutionen und Unternehmen konnten jedenfalls keinen Anstieg bei der Zahl von Produktionen mit Audiodeskriptionen und Untertitelungen feststellen, die auf das neue FFG-Förderkriterium zurückzuführen wären.

Mit dieser Problemanzeige wandte ich mich im März 2011 mit schriftlichen Fragen an die Bundesregierung und auch an Kolleginnen und Kollegen im Kultur- und Medienausschuss. Und ich freue mich, dass im Weiteren eine ganze Reihe von Initiativen zustande kam, die das Problem thematisieren, unter anderem auch die beiden Anträge, die wir heute beraten.

Besonders wichtig war eine Initiative, die wir als Filmpolitikerinnen und Filmpolitiker aller Bundestagsfraktionen gemeinsam ergriffen haben, nämlich ein Schreiben an die Filmförderanstalt des Bundes, in dem wir auf die ungenügende Situation hinweisen und um Vorschläge bitten, wie man Abhilfe schaffen kann. Die Antwort der FFA hat uns positiv überrascht. Man nahm dort sogleich eine Prüfung und Veränderung der Förderrichtlinien in Angriff mit dem Ziel, die Erstellung von Audiodeskriptionen und Untertitelungen bei den mit Bundesmitteln geförderten Filmen verbindlich zu machen. Auch für die Förderung aus dem Deutschen Filmförderfonds, DFFF, wurde Entsprechendes getan.

Und was die Kostenseite anging, teilte man uns mit, dass die Finanzierung aus laufenden Mitteln erfolgen kann und keine zusätzlichen Mittel erforderlich seien. Deshalb kann ich die in unserem Antrag, Drucksache 17/8355, aufgeführte zweite Forderung, nämlich ein Sofortprogramm zur Förderung von barrierefreien Filmen aufzulegen, für erledigt erklären. Das Ziel lässt sich mit vorhandenden Bordmitteln erreichen – und das ist sehr erfreulich.

Und ein weiterer positiver Punkt ist schließlich, dass im Entwurf zur jetzt anstehenden neuerlichen Novellierung des Filmfördergesetzes die Erstellung von barrierefreien Kopien auch gesetzlich fixiert werden soll, was eine weitere Forderung in unserem Antrag ist. Das würde dem Anliegen endgültig das nötige Gewicht verleihen. Wir werden zwar über einige Details noch zu reden haben, zum Beispiel über den Sinn der im Entwurf der FFG-Novelle vorgesehenen Ausnahmeregelungen bei der Erstellung von barrierefreien Fassungen, aber im Grundsatz gehen die Dinge in die richtige Richtung.

Doch mit den absehbaren Verbesserungen bei der Bundesfilmförderung sollten wir uns nicht zufriedengeben. Auch im Fernsehen brauchen wir viel mehr barrierefreie Angebote. Auch die Fernsehveranstalter sollten das Angebot von Sendungen mit Audiodeskriptionen und Untertitelungen deutlich ausweiten. Hierfür werben wir nachdrücklich.

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