Bundestagsrede von Bärbel Höhn 27.06.2013

Deutsch-Koreanische Beziehungen

Bärbel Höhn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Die jüngsten Nachrichten von einer Entspannung der Situation zwischen Nord- und Südkorea haben wir alle mit großer Erleichterung aufgenommen. Die infolge der militärischen und nuklearen Drohgebärden der Volksrepublik Korea entstandene Konfrontation im Frühjahr und Frühsommer dieses Jahres hat die ganze Welt in Atem gehalten. Die Sorgen in der Region vor einem Eskalieren der Auseinandersetzung waren groß – zu Recht.

Jetzt ist die Erleichterung bei den Menschen spürbar über die Wiederaufnahme von ersten Gesprächen und Treffen im Grenzort Panmunjeom. Auch wenn zunächst wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, wie die Wiedereröffnung der Sonderwirtschaftszone Kaesong, die im April, am Höhepunkt der Spannungen, geschlossen wurde, so geht es in einem zweiten Schritt auch darum, Treffen von Familienangehörigen wieder zu ermöglichen, die zwischen 1950 und 1953 getrennt wurden.

Noch bleibt abzuwarten, wie tragfähig die Annäherungsschritte sind. Dass sie absolut notwendig sind, um insgesamt wieder zu einer Stabilität in der Region und mehr noch zu einer Perspektive auf einen Einigungsprozess zu kommen, steht außer Frage. Darin unterscheidet sich nämlich die heutige Situation in Korea, wie wir sie auch auf unserer gemeinsamen Reise der Parlamentariergruppe erlebt haben, fundamental von der Situation in Deutschland zu Zeiten der Teilung. Hier war immer der Austausch zwischen den Menschen in einem gewissen Maß möglich, die Kontakte innerhalb der Familie blieben bestehen, man wusste von den anderen, von deren Freuden, Sorgen und Nöten. In begrenztem Rahmen waren Besuche möglich. Es ist dieser Austausch, den ich den Menschen in Nord- und Südkorea heute wünsche als Voraussetzung für eine schrittweise Annäherung und ein Zusammenwachsen. Es ist dieser Austausch, von dem die Menschen in Nordkorea in der Bewältigung ihrer alltäglichen Probleme am meisten profitieren würden jenseits der guten und wichtigen institutionellen Hilfsangebote. Außerdem wünsche ich mir, dass wir Deutsche mit unserer Erfahrung der Teilung und den aus DDR-Zeiten auf persönlicher Ebene bestehenden Verbindungen nach Nordkorea mehr dafür tun, die Kontakte nach Korea insgesamt zu intensivieren. Gerade in den Bereichen Kultur, Sport und erneuerbare Energien können Brücken gebaut werden, die Dialog und Deeskalation fördern.

Lassen Sie mich noch etwas zur Zusammenarbeit auf meinem Arbeitsgebiet hier im Bundestag, zur Umwelt- und Energiepolitik, sagen. Vor 130 Jahren, im Jahr 1883, in dem die offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Korea ihren Ausgangspunkt haben, wurde in Darmstadt der weltweit erste Studiengang für Elektrotechnik eingerichtet. Heute stehen wir vor enormen Herausforderungen, was die Entwicklung neuer, sparsamer Geräte, verbrauchsarmer Technologien, aber auch die Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien, Speicher und Leitungssysteme anbelangt. Korea ist auf diesem Gebiet ein wichtiger Partner. Im Rahmen ihres vertieften wirtschaftlichen und technologischen Austauschs können Deutschland und Korea dazu beitragen, die Entwicklungen in diesen Bereichen mit voranzutreiben und damit zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen, zu Energieeffizienz und Klimaschutz und damit zur Schaffung von Jobs im Bereich des Green New Deal.

Deutschland wie Korea haben in den letzten Jahren die Folgen von Wetterextremen zu spüren bekommen, die uns die absolute Notwendigkeit eines Stopps der Erderwärmung vor Augen geführt haben. Die gemeinsame Weiterentwicklung von Forschung und Entwicklung emissionsarmer Technologien und Systeme voranzubringen ist mir deshalb zu diesem 130-jährigen Jubiläum der deutsch-koreanischen Beziehungen ein besonderes Anliegen. Ich freue mich darauf, mich hier auch in den kommenden Jahren im Rahmen der Parlamentariergruppe besonders einzubringen.

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