Bundestagsrede von Brigitte Pothmer 07.06.2013

Berufsausbildung für Erwachsene

Brigitte Pothmer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Junge Menschen ohne Berufsabschluss sind häufiger arbeitslos, häufiger prekär beschäftigt und bekommen weniger Geld als Gleichaltrige mit Berufsabschluss. Im Jahr 2011 waren 2,2 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren ohne Berufsabschluss. Von den 25- bis 35-Jährigen hatten 1,5 Millionen keinen Abschluss. Das sind 16 Prozent der Altersgruppe. Diese Zahlen zeigen den enormen Handlungsbedarf. Hier liegt ein gigantisches Fachkräftepotenzial brach. Und es wird sehenden Auges von der Bundesregierung verschenkt. Anstatt den jungen Menschen neue Perspektiven zu bieten, werden die Zahlen mit einem Achselzucken hingenommen.

Ein Beispiel: Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, den Anteil junger Erwachsener zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss bis 2015 auf 8,5 Prozent zu senken. Dies hat sie in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage noch einmal bekräftigt. Aber nach den letzten uns zur Verfügung stehenden Zahlen sind immer noch über 15 Prozent dieser Altersgruppe ohne Berufsabschluss. Nach Adam Riese bleiben also noch zwei Jahre, um dieses Ziel zu erreichen. Wenn es in diesem Schneckentempo weitergeht, dauert das aber noch zwanzig Jahre. Ich frage Sie ernsthaft, wie Sie das schaffen wollen. Denn ein Gesamtkonzept kann ich bei den verschiedenen Initiativen derzeit nicht erkennen.

Es ist wichtig, dass alle Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung ein Angebot bekommen. Das schließt auch diejenigen ein, die ohne Abschluss bereits berufstätig sind. Dafür braucht man ausreichend finanzielle Mittel und die richtigen Instrumente, die auf die Problemlagen und die Situation der Betroffenen zugeschnitten sind. Dafür brauchen wir berufsbegleitende Angebote, erheblich mehr Teilzeitausbildungen, bessere Beratung sowie individuelle Förderung. Wenn wir dafür sorgen wollen, dass nicht jedes Jahr immer neue Schulabgänger vor den immer gleichen Problemen stehen, muss der Dschungel der Förderprogramme von Bund, Ländern und Kommunen im Übergangsbereich gelichtet und in eine klare Einstiegsphase in die berufliche Ausbildung umgestaltet werden. Außerdem müssen kleine und mittlere Betriebe, die keine Ausbildungsbefähigung haben, besser unterstützt werden, damit auch sie sich an der Ausbildung beteiligen können. Das grüne Konzept „DualPlus“ liefert hier Lösungen.

Es ist erst wenige Wochen her, da wurde der Berufsbildungsbericht 2013 vorgestellt. Das war wahrlich kein Anlass für Freudensprünge. Im Gegenteil: Von guter Ausbildung für alle sind wir noch weit entfernt. Es ist doch längst erwiesen: Weder eine gute Konjunktur noch der demografische Wandel oder der zunehmende Fachkräftemangel sorgen dafür, dass alle jungen Menschen erfolgreich eine Berufsausbildung absolvieren. Der Berufsbildungsbericht liefert die Zahlen schwarz auf weiß: Trotz guter Wirtschaftslage ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe auf einem historischen Tiefstand.

So gut unser duales System der betrieblichen Berufsausbildung auch ist, es gelingt nicht, darüber allen jungen Menschen Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. 4,3 Milliarden Euro werden jedes Jahr für perspektivlose Warteschleifen verplempert. Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesregierung. DualPlus liefert hier Lösungen, um allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine anerkannte Berufsausbildung zu ermöglichen. Denn eine abgehängte Generation können wir uns nicht leisten – weder hier noch in Europa.

Es ist ganz einfach: Ausbildungsgarantie statt Warteschleife bringt Perspektiven statt Frust. Das wollen wir, und das gelingt mit DualPlus.

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