Bundestagsrede von 13.06.2013

Integration durch Sport

Viola von Cramon-Taubadel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Das Thema Integration und Sport hat für die grüne Bundestagsfraktion eine große Bedeutung. Wir halten es für geboten, die bisherige Integrationspolitik um den Ansatz der Inklusionspolitik zu vervollständigen. Wir meinen, dass in einer Gesellschaft der Vielfalt insbesondere gesellschaftliche Institutionen – und somit auch der Sport -gefordert sind, sich zu verändern.

Das Ziel muss sein, eine gleichberechtigte Teilhabe und Selbstbestimmung in allen Feldern des öffentlichen Lebens zu ermöglichen. Dies ist für die Menschen, aber auch für die Sportverbände und –vereine eine große Herausforderung. So richtig es ist, wenn sich Sportvereine und die entsprechenden Verbände beginnen interkulturell zu öffnen – so darf dies nicht bei der Einrichtung von Integrationsbeauftragten enden. Es wird darauf ankommen, dass sich Vereine und Verbände selbst verändern und der Vielfalt ihrer Mitglieder anpassen.

Der Inklusionsansatz ist eine Säule des internationalen Menschenrechtsschutzes und bedeutet, einen umfassenden Anspruch aller  Menschen in dieser Gesellschaft ein Höchstmaß an Gleichbehandlung, Teilhabe und Chancengleichheit zu ermöglichen - und zwar unabhängig vom sozialen Status oder der ethnischen Herkunft.

Innerhalb des Sports sind die Vereine der Ort der Begegnung. In den Sportvereinen finden großartige Anstrengungen statt, daher ist es völlig inakzeptabel, wenn die BMI-Förderung für das Programm „Integration durch Sport (IdS)“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) seit Jahren bei 5,4 Mio. Euro stagniert.

Aus grüner Sicht wäre es eine notwendige Maßnahme, den Sport nicht nur verbal bei den Integrationsgipfeln der Bundesregierung positiv hervorzuheben, sondern auch ganz konkret die notwendige Mittelaufstockung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, also innerhalb des Haushalts des Bundesinnenministers, durchzuführen. Das war zuletzt mir Rot-Grün in den Jahren 1999 und 2001 der Fall.

Es ist zutreffend, dass der Sport besondere Erfolge hat, wenn es um Integrationsbemühungen und gemeinschaftliches Zusammenleben in Deutschland geht. Denn Sport ist grundsätzlich geeignet für ein besseres Miteinander in der Gesellschaft zu sorgen, weil der Sport häufig in Teams ausgeübt und nach einem anerkannten Regelwerk betrieben wird. Sport wird durch 91.000 Vereine in Deutschland flächendeckend angeboten, ist also nicht lokal begrenzt. Zudem bietet der Sport großes Potential, um in spielerischer Form generationsübergreifend zu arbeiten.

Unsere Fraktion hat jedoch nie die Dysfunktionen und Fehlentwicklungen des Sports außer Acht gelassen. So spiegelt erfolgreicher Spitzensport in National- oder Olympia-Teams nicht die Situation des Alltagssports und des Breitensports wider. Denn Rassismus, Diskriminierung, Homophobie, Ausgrenzung gehören auch im Sport leider mit zum Alltag. Im Sportausschuss haben wir dazu eine Öffentliche Anhörung durchgeführt. Unsere Fraktion hat zu diesem Thema in den letzten Jahren immer wieder politische Vorschläge für Lösungen vorgelegt.

Wir brauchen dringend mehr geschultes Personal zur Herausbildung aller dem Sport zugewiesenen Eigenschaften wie Gesundheitsprävention, Wertevermittlung, sportlichem Miteinander. Wir müssen Sport auch als Teil des Bildungssystems verstehen. Die Aus- und Fortbildung der Übungsleiter und der Vereinsvorstände ist ein entscheidendes Element zur Vermittlung der dem Sport zugewiesenen oder nachgesagten Werte. Die Realität ist auch: Noch immer sind Vereinsvorstände mit Migrationshintergrund deutlich unterrepräsentiert in Sportvereinen in Deutschland.

Beim vorliegenden Antrag handelt es sich um einen Last-Minute-Antrag. Alle politischen Forderungen sind zum Ende der Legislaturperiode faktisch nicht mehr umsetzbar.Es wird eine Politik dargestellt, die so nicht stattgefunden hat. Darüber hinaus ist festzustellen, dass es bis heute nicht einen einzigen Wortbeitrag eines Vertreters der Regierungsfraktionen zum vorliegenden Antrag gegeben hat. Denn die Einbringung in den Deutschen Bundestags erfolgte ohne Debatte. Im federführenden Sportausschuss fand keine Beratung statt, weil die Koalition ihren eigenen Antrag nicht vorgestellt und begründet hat. So kann und darf man keine Politik machen.

Dem vorliegenden Änderungsantrag der SPD stimmen wir selbstverständlich zu, denn es muss sichergestellt werden, dass Planungssicherheit für das Programm „Integration durch Sport“ herrschen muss.

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