Bundestagsrede von 27.06.2013

Sportgroßveranstaltungen

Viola von Cramon-Taubadel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

In Brasilien findet zur Zeit der Confed-Cup im Fußball statt. Ein Fußball begeistertes Land verfolgt dabei nicht nur die Spiele, sondern kritisiert vor allem auch die Fehlentwicklungen wie Korruption und überteuerte Sportstätten. Die dortigen Massenproteste sind ein Ausdruck von Demokratie. Und auch das brasilianische Team zeigt Verständnis und Unterstützung, während die verantwortlichen Fußballfunktionäre sich gleichermaßen sprachlos wie kompetenzlos zeigen. Dass der Weltfußballverband FIFA bis heute die Zeichen der Zeit ganz offensichtlich überhaupt nicht erkannt hat, zeigt sich mindestens bei jeder bizarren Pressekonferenz dieses Verbandes und auch bei der als Reformkongress titulierten Status-Quo-Veranstaltung des Verbandes wie vor einigen Wochen auf Mauritius.

Es ist deutlich geworden, dass Sportgroßveranstaltungen wie Confed-Cup, Fußball-WM und Olympische Spiele nicht in einem luftleeren sportpolitischen Raum stattfinden. Sondern sie sind vom Anfang bis zum Ende ein hochpolitischer Vorgang, in den Staatsoberhäupter und Regierungen zwar eingebunden sind, aber leider Bürgerinitiativen und Menschenrechtsorganisationen ausgeschlossen sind. Immer öfter sind es Veranstaltungen, die in einem krassen Missverhältnis zur Situation des Staates stehen, in dem sie stattfinden. Ich erinnere an Griechenland, das mit Athen im Jahr 2004 die Olympischen Sommerspiele ausgerichtet hat, sich aufgrund der überteuerten Spiele massiv verschuldet und heute unter einem europäischen Rettungsschirm steht. In Polen und der Ukraine gibt es schon ein Jahr nach Ende der Fußball-Europameisterschaft weitgehend ungenutzte Stadionneubauten, für deren Instandhaltungskosten niemand in diesen Ländern aufkommen kann. Bei meinen Besuchen in der Ukraine konnte ich mir ein Bild von der desolaten Situation machen. Auch aus diesem Grund komme ich zu der Einschätzung, dass es so nicht weitergehen kann.

Denn wenn die internationale Sportpolitik so weitermacht wie bisher, dann werden wir die brasilianischen Proteste in unterschiedlicher Ausprägung bald auch bei anderen Sportgroßveranstaltungen erleben. Aus Sicht der GRÜNEN Bundestagsfraktion steht fest:

Die Sportorganisationen tragen ein gehöriges Maß an Mitverantwortung am schlechten Ruf. Korruption und Intransparenz sind Bestandteil des Weltsports geworden. Überzogenes Anspruchsdenken und ein überdimensionierter kommerzieller Sport sind seit Jahren festzustellen. Und dafür gibt es Verantwortliche:

Es sind Funktionäre, die sich des Sports bedienen, um ihre eigenen Geschäfte unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit zu machen. Und es sind immer öfter auch autoritäre Staaten, die sich als Gastgeber um Sportgroßereignisse bewerben, um unter dem Deckmantel des Sports den Ruf ihres undemokratischen Regimes aufzupolieren. Ich erwarte von Thomas Bach als deutschem Kandidaten um die IOC-Präsidentschaft, aber auch von anderen deutschen Mitgliedern in den internationalen Sportorganisationen endlich Vorschläge und Initiativen zu erarbeiten, wie diesen Missständen Einhalt geboten werden soll.

Wir haben in unserem Antrag einen politischen Weg aufgezeigt, der Menschenrechte und Nachhaltigkeitsaspekte bei der Vergabe und Durchführung von internationalen Sportgroßveranstaltungen besser berücksichtigen würde. Wir haben ein Maßnahmenbündel aufgelegt, das durch eine völkerrechtlich bindende Konvention eine internationale Anerkennung und Durchsetzbarkeit erhalten würde.

Uns steht schon in Kürze im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi eine neue Diskussion um Menschenrechte und Nachhaltigkeit bevor. Nicht nur die ökologischen Auswirkungen der geplanten Winterspiele im subtropischen Klima sind katastrophal. Vertreibungen von Menschen und Ausbeutungen von Arbeitern gehören dort seit Beginn der Vorbereitung auf die Spiele zum Alltag. Aus unserer Sicht ist keine Zeit mehr zu verlieren, um endlich die notwendigen Maßnahmen von Politik und Sport zu beschließen, damit es zukünftig einen größeren Stellenwert von Demokratie, Menschen- und Bürgerrechten sowie der immer wieder proklamierten Nachhaltigkeit im Sport gibt.

 

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