Bundestagsrede von Beate Walter-Rosenheimer 05.03.2015

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Vizepräsident Johannes Singhammer:

Nächste Rednerin ist die Kollegin Beate Walter-Rosenheimer, Bündnis 90/Die Grünen.

Beate Walter-Rosenheimer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Vielen Dank, Herr Präsident. – Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Gehen Sie zur Abwechslung in Gedanken in Ihre Wohnzimmer zu Hause und stellen Sie sich vor, Sie haben ein besonders schönes und wertvolles Geschenk bekommen. Wo würden Sie es hinstellen? Sicher nicht in die Abstellkammer, sondern in einen Ihrer Lieblingsräume, wo Sie es sehen können, wo es Ihnen besonders gut gefällt. Einen solchen Platz braucht auch das schöne Stück „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, auch wenn es einen etwas sperrigen Namen hat, weshalb ich es fortan BNE nennen werde.

(Dr. Thomas Feist [CDU/CSU]: Nicht BND!)

– Sie müssen aber auch immer scherzen.

(Heiterkeit und Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Das geht aber nicht von meiner Zeit ab, wenn Sie hier so lustig sind. – Auf jeden Fall muss BNE raus aus den Abstellkammern und rein in die gute Stube. Sie braucht einen Platz mitten in unserer Gesellschaft. Nachhaltigkeit berührt nämlich alle Bereiche des Alltags. Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft beeinflussen sich gegenseitig. Es hängt also alles mit allem zusammen. Dieser Gedanke gefällt mir an diesem Konzept besonders gut.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Karamba Diaby [SPD])

BNE beschreibt einen Weg, um die Welt im Gleichgewicht zu halten. Sie hilft Kindern und Jugendlichen, Kompetenzen zu entwickeln und ihre Zukunft nachhaltig gestalten zu lernen. So gesehen ist es ein ganz wunderbares Konzept. Vor allem geht es uns alle an, auch wenn das vielleicht – wenn ich mich hier umschaue – noch nicht alle erkannt haben.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Deshalb freue ich mich sehr, dass wir einen interfraktionellen Antrag hinbekommen haben, auch wenn die Linke jetzt nicht daran beteiligt ist.

(Dr. Thomas Feist [CDU/CSU]: Die sind immer noch bockig! – Dr. Rosemarie Hein [DIE LINKE]: Mit uns wäre er besser geworden! – Gegenruf des Abg. Dr. Thomas Feist [CDU/CSU]: Nee!)

Lassen Sie mich zunächst die Entwicklung darstellen. Wir haben schon gehört, dass die Vereinten Nationen in den vergangenen zehn Jahren versucht haben, das Thema weltweit zu verankern. 2014 ist das Programm ausgelaufen. Es gab zahlreiche Aktionen und Projekte – fast 2 000 ausgezeichnete Projekte –, zahlreiche Kommunen, die sich engagiert haben, und – das finde ich sehr wichtig – viel zivilgesellschaftliches Engagement. Viele Menschen waren ehrenamtlich im Einsatz. Vor ihnen ziehen wir wirklich unseren Hut; denn sie haben das Ganze getragen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Aber leider ist der Begriff nach wie vor nur einer Fachöffentlichkeit bekannt. Es gibt ganz viele Lehrer und Lehrerinnen, die nicht einmal diesen Begriff kennen. Das sollte nach zehn Jahren eigentlich nicht mehr so sein. Dagegen wollen wir angehen.

(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

BNE ist noch lange kein Selbstläufer. Genau darüber machen wir uns Sorgen. Wir sorgen uns darum, wie es weitergeht. Im November 2014 wurde das Weltaktionsprogramm der Vereinten Nationen ausgerufen. Es soll fünf Jahre lang darum gehen, BNE in allen Ländern der Welt bekannt zu machen. Wie gesagt, das Thema soll raus aus dem Kämmerchen.

In unserem Antrag fordern wir nun verschiedene, wie ich finde, sehr konkrete Maßnahmen, um BNE endlich systematisch zu implementieren und flächendeckend zu verankern. Ich finde, das ist gar nicht so ein Wischiwaschi, wie Sie behaupten.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Ich nenne nur einige Punkte, die mir sehr am Herzen liegen. Wir wollen, dass die Bundesressorts BNE in ihren Strategien verankern. Wir wollen dazu eine interministerielle Arbeitsgruppe einrichten. Das finde ich schon einmal sehr wichtig. Wir wollen, dass die Bundesregierung weiterhin regelmäßig Bericht darüber erstattet, was im Rahmen des Weltaktionsprogramms erreicht wurde, sodass wir Einfluss nehmen können. Wir möchten gerne, dass die Bundesregierung mit den Ländern auf allen Ebenen für eine systematische Verankerung sorgt und der Gedanke der BNE in alle Bildungseinrichtungen getragen wird, von der Kita bis zur Uni. Das schreiben wir sehr wohl.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und des Abg. Dr. Ernst Dieter Rossmann [SPD])

BNE muss endlich in alle Köpfe. Deshalb muss die Bundesregierung mehr Anstrengungen als bisher unternehmen; auch das fordern wir. Wir sind uns in den Fraktionen einig, dass wir das Eisen schmieden müssen, solange es heiß ist und bevor die Akteure vor Ort, die Lehrkräfte, die Ehrenamtlichen das Interesse, die Energie und auch die Lust verlieren. Wir haben von Professor de Haan im Beirat gehört, dass sehr viel Unsicherheit darüber besteht, wie es weitergehen kann. Deswegen möchten wir da Klarheit und klare Strukturen.

(Beifall des Abg. Kai Gehring [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN])

Unser gemeinsamer Antrag, unsere Einigkeit über Fraktionsgrenzen hinweg, gibt mir die Hoffnung, dass wir nun größere Brötchen backen und in fünf Jahren auf einem ganz anderen Level sind als jetzt. Denn, liebe Kolleginnen und Kollegen, es gilt, was schon Albert Camus gesagt hat: „Wer etwas will, findet Wege, wer nicht, findet Gründe.“

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

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