Bundestagsrede von Nicole Maisch 08.05.2015

Klontiere

Nicole Maisch (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Debatten zur Tierhaltung und zur Tierzucht in diesem Haus sind normalerweise Debatten, in denen ein tiefer Graben zwischen Herrn Ebner und Herrn Stier, zwischen Grünen und Schwarzen verläuft. Umso mehr freue ich mich, dass von der heutigen Debatte ein klares Signal gegen das Klonen von Nutztieren nach Europa gesendet wird. Das ist ein gutes Zeichen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der SPD und der LINKEN)

Ich möchte Gitta Connemann für ihre sehr klaren Worte am Anfang dieser Debatte danken. Sie hat zum Ausdruck gebracht, was viele von uns hier bewegt. Ich möchte aber auch der Linken dafür danken, dass sie sich nicht auf kleinliche Parteipolitik eingelassen hat, sondern dass sie den gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen unterstützt, auch wenn sie nicht in der Überschrift steht.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Mit dem vorliegenden Antrag, über den wir später abstimmen werden, sprechen wir für die Mehrheit der Menschen in unserem Land, die Klonfleisch auf ihrem Teller ablehnt und der der Tierschutz ein Herzensanliegen ist. Wir sprechen für die Umwelt- und Verbraucherverbände, für das EU-Parlament und sogar für den Deutschen Bauernverband, die sich schon seit Jahren klar gegen das Klonen aussprechen. Ich möchte an dieser Stelle besonders den christlichen Kirchen danken, die sich in diesem Zusammenhang immer wieder ethisch sehr klar positioniert haben.

Das Klonen von Nutztieren ist ein einziger Tierschutzskandal. Hinter jedem lebensfähigen geklonten Tier stecken unzählige tote und kranke Wesen, die bei dieser Technik als Abfall, als Ausschuss hingenommen werden. Diese Tiere leiden unter Organmissbildungen, Immunschwächen, Blutarmut, Herzkrankheiten oder Leberversagen. Die Sterblichkeit von Föten und neugeborenen Tieren ist mit über 90 Prozent gigantisch hoch.

Wenn man sich für den Tierschutz einsetzt, dann sieht man einiges an widerlichen Bildern und Videoaufnahmen. Aber die Bilder von diesen riesigen Föten, die ihre Muttertiere mehr oder weniger sprengen – ich muss sagen, das waren die verstörendsten Abbildungen, die ich in meiner Karriere als Tierschutzpolitikerin gesehen habe. Das können und wollen wir nicht hinnehmen.

(Beifall im ganzen Hause)

Wenn diese kleinen Klone es lebendig auf die Welt schaffen, dann haben die meisten von ihnen Schwierigkeiten beim Atmen, beim Stehen, und sie trinken nicht ordentlich. Das heißt, die Anzahl von Klonen, die wirklich lebensfähig auf die Welt kommen, ist sehr gering. Das allein ist ein gutes Argument gegen diese Technologie.

Man muss sich immer überlegen: Wie kann man die Ernährung von 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten sichern? Mit welchen Techniken? Auf welche Praktiken wollen wir setzen? Die Frage ist auch: Wie schaffen wir bezahlbare Nahrung für alle? Technologien wie das Klonen, aber auch die Grüne Gentechnik sind nicht zukunftsweisend. Sie führen nicht dazu, dass alle Menschen auf diesem Planeten Zugang zu Nahrung haben.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

Wir meinen: Das Klonen ist ein bizarrer Irrweg, der die Industrialisierung der Tierhaltung auf die Spitze treibt, einerseits durch die Respektlosigkeit gegenüber den Tieren – die Christen unter Ihnen würden sagen: zwischen dem Mitgeschöpf Tier und uns –, andererseits durch die Verarmung der genetischen Vielfalt und die Patentierung und Monopolisierung unserer gemeinsamen Lebensgrundlagen, unseres Menschheitserbes.

An dieser Stelle möchte ich alle aufrufen: Wir müssen die Artenvielfalt erhalten und fördern. Wir dürfen sie nicht künstlich begrenzen und verstümmeln. Wir können doch nicht zulassen, dass das Leben selbst in seiner Vielfalt, in seiner Schönheit in die Hände einzelner Konzerne gegeben wird, dass es patentiert, verarmt, verengt und geklont wird. Das können wir nicht wollen.

(Beifall im ganzen Hause)

Ich danke allen Kolleginnen und Kollegen, die am vorliegenden Antrag mitgearbeitet haben, dass wir trotz einiger Auseinandersetzungen Einigkeit erzielt haben. Daraus ergibt sich ein klarer Handlungsauftrag an die Bundesregierung, wenn sie in Brüssel im Rat verhandelt: Wir wollen ein Verbot von Klonen in der Europäischen Union. Wir wollen keine Produkte von Klontieren, keine Embryonen, kein Sperma, kein Fleisch und keine Milch ungekennzeichnet in der Europäischen Union. Wir erwarten vom Landwirtschaftsminister, dass er ganz klar Kante zeigt.

Ich möchte auch darauf hinweisen: Auch wenn es in Europa das Klonen von Landwirtschaftstieren, soweit wir wissen, nicht gibt, jenseits des Atlantiks wird es durchaus angewandt. Man sollte sich schon die Frage stellen, wie Sie die TTIP-Verhandlungen zu einem guten Ende bringen wollen, ohne dass zum Beispiel vor Schiedsgerichten eine Klonkennzeichnung als Handelshemmnis beklagt wird. Das sind Fragen, die wir für den Landwirtschafts- und Nahrungsmittelbereich im Kontext des Freihandelsabkommens klären müssen, wenn man den europäischen Verbraucherinnen und Verbrauchern versprechen will: kein Klonfleisch auf euren Tellern.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, bei der CDU/CSU und der SPD)

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