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Bundestagsrede von Dr. Bettina Hoffmann 15.03.2018

Multiresistente Keime in Seen und Bächen

Dr. Bettina Hoffmann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ja, es stimmt: Bakterien kommen überall vor. Und das ist erst mal gut so. Wir brauchen Bakterien auf unserer Haut, in unserem Darm, im Boden und auch überall sonst in der Umwelt.

Und ja, es ist auch richtig, dass gerade im Wasser sehr häufig sehr resistente Keime vorkommen. Das ist erst mal kein Grund zur Sorge.

Aber was wir jetzt finden, ist etwas völlig anderes. In Seen und Bächen wurden Keime in relevanter Zahl gefunden, die auch beim Menschen vorkommen und die gerade gegen sehr wichtige Antibiotika resistent sind. Das kommt nicht von ungefähr. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ wurden in der Behandlung von Menschen zu häufig und teilweise falsch dosiert Antibiotika eingesetzt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Aber noch viel mehr – das muss man bedenken – wurden und werden sie in der Tierhaltung, nämlich tonnenweise, verwendet. Mittlerweile gibt es Einschränkungen, doch das reicht längst nicht.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Es haben sich Resistenzen herausgebildet. Diese werden zwischen den Bakterien weitergegeben, und letztendlich erreichen sie über Umwege auch uns Menschen. Und das ist dramatisch. Denn immerhin sterben jedes Jahr weltweit über 700 000 Menschen an Infektionen durch multiresistente Bakterien. Das dürfen wir einfach nicht hinnehmen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Bakterielle Erkrankungen waren eine Geißel der Menschheit, bis die Wirkung der Antibiotika entdeckt wurde und sie für alle Menschen, zumindest hier bei uns, zur Verfügung standen. Das ist noch nicht lange her. Fragen Sie mal nach, wie viele Kinder und Erwachsene an Diphtherie, entzündeten Wunden oder sogar an einem lächerlichen vereiterten Zahn gestorben sind.

Ich habe zehn Jahre lang in der Diagnostik bakterieller Erkrankungen gearbeitet. Ich weiß, wie schwer und vor allen Dingen wie schnell ein Krankheitsverlauf ist, wenn nicht das geeignete Medikament gefunden wird. Ich sage Ihnen: Das wollen wir alle nicht haben.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Es ist nicht lustig, wenn Sie solche Keime nach einer ganz einfachen OP plötzlich im Knie haben oder wenn sie auf Ihrer Herzklappe sitzen; da sitzen sie nämlich sehr gerne. Wenn genau diese Keime heutzutage in Badegewässern, in unseren Bächen und Flüssen gefunden werden, dann ist das keine abstrakte Gefahr mehr. In Hessen ist zum Beispiel ein Mann gestorben, der in einen Bach gefallen ist. Er ist nicht ertrunken, er ist an einer Infektion mit Bakterien gestorben, die nachweislich aus diesem Bach stammten. Damit dieses Schicksal nicht weitere Menschen trifft, müssen wir jetzt handeln.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Zum einen brauchen wir einen Überblick. Nicht die Presse, sondern unsere Behörden müssen das Wasser untersuchen. Möglichkeiten sind da. Allein in Hessen gibt es über 200 Messstellen. Man muss nur weitere Parameter untersuchen. Das ist machbar, und das ist bezahlbar.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Zum anderen müssen wir den Umgang mit Medikamenten überdenken, ganz grundsätzlich, und bei der Herstellung mehr Wert auf Umweltverträglichkeit legen, auf gezielte Verschreibungen achten und bei der Entsorgung aufpassen, dass Rückstände und Keime nicht ins Wasser gelangen.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der LINKEN)

Vor allen Dingen muss Schluss sein mit dem Einsatz von Reserveantibiotika, zum Beispiel Colistin. Das wird beim Menschen nur verwendet, wenn nichts anderes mehr hilft. Im Geflügelstall gehört das noch zum Standardprogramm.

Das alles schlagen wir in unserem Antrag vor, um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu schützen; denn Wasser ist Lebenselixier, und das muss es bleiben, und zwar um jeden Preis.

Vielen Dank.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)