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PflegeausbildungAltenpflege zukunftsfähig machen

Altenpflegerin mit einer Patientin
Dem Anspruch, die Pflegeausbildung für die Zukunft fit zu machen, wird die Koalition nicht gerecht. Statt ein einheitlich hohes Niveau der Ausbildungen zu verabschieden, wird die Altenpflege zu einem Ausbildungsberuf zweiter Klasse.

Wir leben in einer hochspezialisierten Gesellschaft. Der medizinische und der pflegerische Fortschritt verlangen von den Pflegekräften immer mehr Wissen und Können. Als erste Bundestagsfraktion haben sich Bündnis 90/Die Grünen bereits Anfang 2011 intensiv mit den Vor- und Nachteilen der unterschiedlichen Reformoptionen für die Ausbildung von Pflegekräften beschäftigt. Für uns stand fest, dass ein Teil der sonst unterschiedlichen Pflegeausbildungen von Kinderkranken-, Kranken- und Altenpflege zusammengeführt werden kann. Im fortgeschrittenen Teil der Ausbildung wollten wir verpflichtend an der Spezialisierung festhalten. Wir hatten uns für ein Konzept der Integrierten Ausbildung (zwei Jahre gemeinsam, danach ein Jahr verpflichtende Spezialisierung) und für den Aufbau eines systematischen Fort- und Weiterbildungssystems eingesetzt, aber nicht durchsetzen können.

Generalistische Ausbildung zu unspezifisch

Die Große Koalition hat in der vergangenen Legislaturperiode in letzter Minute eine grundlegende Systemänderung der Pflegeausbildung verabschiedet. Dem gingen massive Kontroversen innerhalb der Koalition voraus. Der letztendlich verabschiedete Kompromiss führt die Pflegeausbildung in die sogenannte Generalistik, ermöglicht jedoch parallel die Ausbildung in der Alten- und Kinderkrankenpflege. Die generalistische Ausbildung sieht nur sehr kurze Vertiefungseinsätze in den einzelnen Fachgebieten vor. Das reicht aus unserer Sicht nicht aus, um anschließend qualifiziert z.B. in der Kinderkrankenpflege eingesetzt zu werden. Daher haben wir diesen Vorschlag abgelehnt.

Neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung

Zur konkreten Umsetzung dieser Ausbildungsreform hat der Bundestag Ende Juni 2018 die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung verabschiedet, die im September vom Bundesrat beraten wird. Unser Ziel war es, diese Verordnung kritisch und konstruktiv zu begleiten. Wir haben uns insbesondere dafür eingesetzt, dass die Inhalte der Altenpflege und damit deren ganzheitlicher Blick auf die Menschen und ihre Bedürfnisse nicht verloren gehen. Die grüne Bundestagsfraktion lehnte die Verordnung letztendlich insbesondere wegen des allein in der Altenpflegeausbildung abgesenkten Qualifikationsniveaus.

Altenpflege wird degradiert

Die Altenpflegeausbildung wird zu einem Ausbildungsberuf zweiter Klasse, weil die Union zugunsten der (privaten) Arbeitgeberverbände eine Absenkung des Qualifikationsniveaus durchsetzte. In der Öffentlichen Anhörung des Gesundheitsausschusses wurde kritisiert, dass die Anforderungen auf die von HelferInnen und Assistenzberufen abgesenkt wurde. Wir befürchten, dass in der Folge die Attraktivität und die Ausbildungszahlen in der Altenpflege zurückgehen.

Im Gesundheitsausschuss hat die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen Änderungsantrag eingebracht, der ein identisches Qualifikationsniveau wie in den anderen in der Verordnung geregelten Pflegeberufen vorsieht. Dieser Änderungsantrag wurde mit der Mehrheit von Union und SPD abgelehnt.

Ungereimtheiten und Lücken

Bei der generalistischen Ausbildung ist z.B. immer noch unklar, wie die verschiedenen Einsätze in der Stationspraxis für die Auszubildenden realisiert werden sollen. Besonders gravierend ist dies im Bereich Kinderkrankenpflege. Bundesweit müssten etwa 300 Kinderabteilungen 40.000 generalistische Auszubildende im Jahr für einen pädiatrischen Pflichteinsatz von 60 bis120 Stunden betreuen. Auch dass ein solcher Kurzeinsatz von 1 ½ bis 3 Wochen nicht ausreichend ist, um danach angemessen in diesem Bereich tätig zu sein, ist offensichtlich.

Entbürokratisierung umsetzen

In der Altenpflege wurde in den letzten Jahren sehr erfolgreich die Dokumentation entbürokratisiert. Die neue Dokumentation folgt der Idee, die Pflegebedürftigen mit ihren Ressourcen in den Blick zu nehmen statt einzelne durchgeführte Tätigkeiten abzuhaken. Dieser, von uns sehr begrüßte, Ansatz sollte ausdrücklich allen Auszubildenden vermittelt werden. Dies fehlt jedoch bei den vorgesehenen Ausbildungsinhalten.

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