PflegereformgesetzBlack Box Pflegeausbildung

Deutschland, St. Augustin, Asklepios-Kinderklinik, 5 Neugeborene in einer Reihe mit der Kinderkrankenschwester.
Auf den letzten Metern verabschiedet die große Koalition die Reform der Pflegeausbildung. Das Pflegeausbildungsgesetz ist eine Blackbox, dessen Inhalt niemand wirklich kennt.

Nach etwa einem Jahr Stillstand verabschiedet die Koalition auf den letzten Metern ihre Reform der Pflege-Ausbildung. Es geht um die grundlegende Veränderung dreier Berufsbilder, das betrifft Millionen von Menschen: Pflegebedürftige, Patientinnen und Patienten zuhause, in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Und natürlich die künftigen Pflegekräfte von morgen, die Auszubildenden.

Deswegen ist es unverantwortlich, dass es sich bei dem Gesetz um einen Blindflug handelt, bei dem viele Fragen zur Umsetzung noch völlig offen sind. Es gibt lediglich eine Gewissheit: Die Reform wird ihr Ziel verfehlen, die Pflegeberufe attraktiver zu machen und deswegen lehnen wir sie ab.

Pflegeausbildung im Blindflug

Eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung liegt nicht vor, dabei ist sie wie ein Ausbildungs-Lehrplan. Es wurde also ein Gesetz beschlossen, dessen Inhalt niemand wirklich kennt.

Auch bei der praktischen Umsetzung ist noch vieles offen. Zum Beispiel wird es absehbar schwierig, ausreichend Praxisplätze in der Kinderkrankenpflege zu finden. Es steht immer noch im Raum, dass auch Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen geeignete Praxisorte sein sollen. Das wäre absurd.

Angesichts solcher Probleme wäre es dringend notwendig gewesen, Fachleute aus Wissenschaft und Verbänden im Rahmen einer Anhörung zu Wort kommen zu lassen. Dem hat sich die große Koalition jedoch kategorisch verweigert. Nun bleiben viele Aspekte ungeklärt.

Ausbildung: Wahlfreiheit gibt es nicht wirklich

Das Gesetz wirbt mit einer Wahlfreiheit, die es nicht wirklich gibt. Auszubildende, die sich zu für einen Abschluss in der Altenpflege entscheiden, können nach zwei Jahren in die generalistische Ausbildung wechseln. Auszubildende aber, die sich für die Generalistik entschieden haben, haben keine Wahl. Sie können nach zwei Jahren nicht zur Altenpflege wechseln.

Besonders brisant ist, dass Ende 2026 überprüft werden soll, wie viel Prozent der Auszubildenden sich für die spezialisierte Ausbildung in der Altenpflege und Kinderkrankenpflege entschieden haben. Sind das weniger als 50 Prozent, dann kann die Alten- oder Kinderkrankenpflege-Ausbildung nach Beschluss des Bundestages abgeschafft werden – die Generalistik aber nicht. Mitglieder der Regierungsfraktionen sagen ganz offen, dass sie davon ausgehen, dass sich die Generalistik endgültig durchsetzen wird, lediglich zeitverzögert.

Dabei darf eine solche Entscheidung nicht anhand von Zahlen getroffen werden. Ausschlaggebend muss sein, ob die Qualität der Ausbildung stimmt und ob die Schülerinnen und Schüler ausreichend auf die Anforderungen in der Praxis vorbereitet werden. Wir haben immer gefordert, die spezifischen Fachkenntnisse der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu erhalten, das ist jetzt in Gefahr.

Wir brauchen eine Lobby für die Pflege

Die Ausbildung ist jedoch längst nicht das einzige Thema, bei dem es in der Pflege hakt. Viele weitere Themen müssten angegangen werden, um mehr Menschen für die Pflege zu gewinnen. Deswegen haben wir zusammen mit dem Pflegeberufereformgesetz unseren Antrag „Eine Lobby für die Pflege“ abgeschlossen. Darin zeigen wir konkrete Maßnahmen auf, die den Fachkräftemangel in der Pflege bekämpfen können und die die Bundesregierung bisher unterlassen hat.

Dazu gehört es, schnellstmöglich verbindliche Personalbemessungsregelungen in der Altenpflege und im Krankenhaus einzuführen. Die Arbeitsbedingungen in der Pflege müssen familienfreundlicher werden und sich stärker an den Bedürfnissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter orientieren. Die Tarifpartner können mit einem „Tarifvertrag Soziales“ für eine bessere Bezahlung sorgen, dafür wollen wir uns stark machen. Nicht zuletzt braucht die professionelle Pflege mehr Mitspracherechte in den Gremien der Selbstverwaltung. Denn dort werden viele Entscheidungen getroffen, die ihren Arbeitsalltag prägen, sie können jedoch nicht mitbestimmen. Das muss sich ändern, damit auch die Pflegekräfte selbst dazu beitragen können, die Situation in der Pflege zu verbessern.

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