PflegeGut aufgehoben - Pflege im Quartier

Auf dem Podium sitzen vier Personen, die diskutieren. Vor der kleinen Bühne sitzen viele Zuhörinnen.

Die Expertenkommission des siebten Altenberichts hat eindringlich gemahnt, Kommunen mehr Einfluss bei der Gestaltung von Pflege und Gesundheit einzuräumen. Das dritte Pflegestärkungsgesetz beschäftigt die Parlamente mit genau dieser Zielsetzung und verfehlt sie doch gänzlich. Das wurde bei den parlamentarischen Beratungen allerdings weitgehend unterschlagen. Deswegen stellte die grüne Bundestagsfraktion einen ganzen Abend unter die Frage: Welche Rolle spielen die Kommunen für eine zukunftsfeste Pflege? Welche Unterstützung brauchen sie?

Den Lebensraum lebenswert gestalten

Dr. h.c. Jürgen Gohde vom Kuratorium Deutsche Altershilfe stellte zu Anfang klar, dass ein Quartier ein Stadtteil, ein Dorf oder eine Kleinstadt sein kann. Ausschlaggebend ist der Lebensraum der Menschen, in dem sie sich zuhause fühlen, der ihnen vertraut ist. Diesen Lebensraum gelte es lebenswert zu gestalten – für alle Generationen. Nur gemeinsam könnten Herausforderungen wie Pflegebedürftigkeit gemeistert werden.

Mehr Verantwortung für Kommunen

Die Kommunen sind der Ort, an dem Stärken und Defizite der Versorgung sichtbar werden. Frau Dr. Vorholz vom Deutschen Landkreistag machte deutlich, dass die Kommunen im Bereich Pflege trotzdem nur unzureichend in Planung, Beratung und Entscheidung eingebunden sind. Der Deutsche Landkreistag hat daher eine Reihe von Vorschlägen eingebracht, um diese Situation zu ändern, zum Beispiel durch eine verpflichtende Berücksichtigung der Kreispflegeplanung durch die Pflegekassen. Davon sei im Pflegestärkungsgesetz III kaum etwas enthalten.

Unterstützung und Beratung

Elisabeth Scharfenberg, pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen betonte, dass es der Fraktion ein wichtiges Anliegen sei, die Rolle der Kommunen in der Pflege nachhaltig zu stärken. Dazu müssten sie finanziell unterstützt werden. Ebenso wichtig seien Beratungsangebote für Kommunen, die sich auf den Weg zu einer altengerechten Quartiersentwicklung machen wollen.

Ebenso zentral sei für die grüne Bundestagsfraktion weiterhin ein Anspruch auf ein unabhängiges, individuelles Case Management, das Beratung und Begleitung von pflegebedürftigen Menschen und ihren Angehörigen sicherstellt. Durch eine Einbindung in die örtlichen Beratungsstrukturen könne es zur Vernetzung beitragen.

Praxis schneller als die Politik

Welchen Beitrag die örtliche Vernetzung von Einrichtungen und Anbietern zu einer guten Versorgung älterer Menschen leisten kann, stellte aus dem Publikum Frau Diana Foesch vom gerontopsychiatrisch-geriatrischen Verbund Tempelhof dar. Durch ihre Zusammenarbeit können Einrichtungen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen schnell an die richtige Stelle und in gute Hände verweisen. Zu aktuellen Themen wie dem Pflegebedürftigkeitsbegriff oder Versorgungsschwierigkeiten tauschen sich die Verbundmitglieder aus und leisten so gegenseitig wichtigen Wissenstransfer und Hilfestellungen.

Zukunftsaufgabe Pflege geht nur gemeinsam

Es beteiligten sich zahlreiche Gäste aus dem Publikum an der Diskussion und machten auf Projekte und neue Aspekte aufmerksam. In Berlin gibt es in jedem Bezirk Verbünde und Netzwerke, aus denen über den Mehrwert ihrer Tätigkeit berichtet wurde. Pflegestützpunkte und andere Beratungsstellen stellten ihre Arbeit vor. Wenn auch alle die Zusammenarbeit mit kommunalen Stellen als wichtig und teilweise ausbaufähig bewerteten, warnten einige Stimmen davor, den Kommunen die alleinige Verantwortung zu übertragen, gerade bei der Betreuung einzelner Fälle. Die Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt: Um eine gute Pflege vor Ort sicherzustellen, ist das Mitwirken aller Akteurinnen und Akteure erforderlich – Politik, Kommunen, Einrichtungen und Anbieter und viele Menschen, die sich in diesem Bereich engagieren. Die grüne Bundestagsfraktion wird diesen Prozess unterstützen.

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