Fachgespräch: PflegerenditeHohe Rendite – schlechte Pflege?

Wovon hängt Qualität in der Pflege ab, woran ist sie erkennbar? Laut dem Pflegeexperten Claus Fussek ist das System Pflege komplett intransparent. Einen Unterschied zwischen privaten und gemeinnützigen Einrichtungen gibt es in Bezug auf die Qualität nicht. Es kommt darauf an, wie eine Einrichtung geführt wird. Seiner Ansicht nach sollte ein so sensibler Bereich wie Krankheit und Pflegebedürftigkeit grundsätzlich nicht ungeschützt dem freien Markt oder gar der Börse ausgesetzt sein.

Der Wirtschaftsprüfer Karl Nauen erläuterte die Zwänge, denen Pflegeeinrichtungen und -dienste unterliegen. Personalschlüssel sind festgeschrieben, mehr Personal wird auch nicht finanziert. Darauf haben die Einrichtungen keinen Einfluss. Sie können auch nicht am Personal sparen, wie häufig behauptet wird, denn das wird kontrolliert.

Transparenz muss her

Die Lösung kann also nur darin liegen, das System Pflege transparenter zu machen und dafür zu sorgen, dass mehr Personal finanziert wird. Elisabeth Scharfenberg kritisierte die Pflegenoten, die fast überall Bestnoten sind, aber mehr schaden als nutzen. Obwohl die Koalition das erkannt, hat, gelten die Noten weiter. Ein neues System mit echten Qualitätskriterien lässt auf sich warten. Das Gleiche gilt für die Personalbemessung. Ein bundesweit verbindliches Personalbemessungsinstrument muss umgehend festgelegt und umgesetzt werden. Minister Gröhe jedoch plant nur eine Entwicklung bis zum Jahr 2020, von verbindlicher Einführung ist keine Rede.

Was ist gute Pflege?

In der Diskussion meldeten sich Einrichtungsleiterinnen und -leiter zu Wort, die deutlich machten, wie wichtig eine gute Führung für eine gute Qualität in der Pflege ist. Zuallererst brauchen die Führungskräfte eine Vorstellung davon, was gute Pflege ist und wie sie umzusetzen ist. Das müssen sie ihren Mitarbeiterinnen vermitteln. Ebenso wie die Wertschätzung ihrer Arbeit. Die Mitarbeiter müssen angemessen bezahlt und in die Dienstplangestaltung einbezogen werden. Auf Dauer zahlt sich die gute Behandlung der Pflegekräfte auch finanziell aus – durch geringere Fluktuation, einen niedrigen Krankenstand und insgesamt weniger Reibungsverluste aufgrund der verbesserten Kommunikation.

Lösungsansatz: vor Ort transparent vernetzen

Unterm Strich jedoch wird gute Pflege aber mehr Geld kosten: Wir brauchen mehr und besser qualifiziertes Personal, zugleich wird die Zahl der Pflegebedürftigen steigen. Die Menschen sind auch bereit, für eine gute Pflege mehr zu bezahlen. Dazu jedoch müssen sie wissen, wie sie gute Pflege erkennen. Darum hielt Elisabeth Scharfenberg zum Schluss ein eindringliches Plädoyer für mehr Transparenz. Neben neuen Qualitäts- und Transparenzkriterien befürwortet sie auch die Öffnung der Pflegeeinrichtungen für Angehörige und Freunde der Pflegebedürftigen, die Öffnung in das umgebende Stadtviertel. Am besten wäre es, wenn die Angebote der Pflege insgesamt viel mehr mit anderen Angeboten vor Ort verwoben wären, so wie wir es in unseren Regionalisierungskonzepten vorschlagen. Und um sich im Dschungel der Angebote zur Pflege, Betreuung, für Haushaltsdienstleistungen usw. überhaupt noch zurechtzufinden, brauchen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen unabhängige, persönliche Beraterinnen – individuelle Case Manager –, die ihnen helfen, für ihre jeweilige Situation ganz individuell die passenden Angebote zusammenzustellen.

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