FachkräftemangelMehr Pflegefachkräfte durch Weiterbildungsoffensive

Eine Pflegerin hilft einer Person im Rollstuhl
Der Arbeitsmarkt für Pflegefachkräfte ist leergefegt. Pflegehilfskräfte finden dagegen kaum Stellen. Daher ist eine Weiterbildungsoffensive ein zentrales Element im notwendigen Maßnahmenbündel für mehr Fachkräfte.

Die Lücke zwischen offenen Stellen und Zahl der arbeitslosen Pflegefachkräfte wird jährlich größer. Seit 2011 hat sich dieses Verhältnis in der Altenpflege fast halbiert, in der Krankenpflege ist es um rund ein Drittel zurückgegangen:

In der Krankenpflege gab es 2011 noch 61 arbeitslose Pflegefachkräfte auf 100 gemeldete offene Stellen. 2017 sind es nur noch 41. Die Entwicklung in der Altenpflege ist ähnlich. Es ist vom Ausmaß her jedoch noch dramatischer: 2011 gab es 38 arbeitslose Altenpflegefachkräfte auf 100 gemeldete offene Stellen. 2017 sind es nur noch 21. Der Fachkräftemangel in der Altenpflege betrifft alle Bundesländer - der einzige Beruf für den dies der Fall ist!

Fachkräftemangel entgegensteuern

Die Bundesregierung setzt diesem Abwärtstrend bisher nichts als Worte entgegen. Bundesgesundheitsminister Spahn muss jetzt endlich energisch gegensteuern. Dringend notwendig ist es, vorhandene Fachkräfte durch ein Wiedereinstiegsprogramm zu mobilisieren.

Darüber hinaus fordern wir eine sofortige Weiterbildungsoffensive, um alle geeigneten Pflegehilfskräfte zu Fachkräften zu qualifizieren. Damit können in Zukunft tausende von Pflegekraftstellen besetzt werden. Dafür muss die Bundesregierung dringend Geld in die Hand nehmen; ansonsten bleiben alle Ankündigungen nur leere Versprechen. 

Arbeitsbedingungen in der Pflege

Außerdem braucht es bessere Arbeitsbedingungen mit familienfreundlicheren Arbeitszeiten und besserer Bezahlung. Eine bessere Pflege redet man nicht herbei, Minister Spahn muss jetzt seinen Job machen, damit die Pflegekrise nicht zu einer Pflegekatastrophe wird.

Geeignete Pflegehilfskräfte zu Fachkräften qualifizieren

Ein wichtiges Element um die Fachkräftelücke zu schließen ist eine Weiterbildungs-Offensive für Pflegehilfskräfte. Hier schlummert ein riesiges Potenzial:

Es gibt etwa dreimal mehr arbeitslos gemeldete Pflegehilfskräfte in der Altenpflege als gemeldete offene Stellen. Arbeitssuchend Gemeldete gibt es sogar rund siebenmal so viel, wie offene Stellen. Bei Altenpflegefachkräften ist das Verhältnis genau umgekehrt. In der Krankenpflege ist die Situation ähnlich, wenn auch nicht so eklatant.

PflegehelferInnen (mit einer ein bis zweijährigen staatlich anerkannten Ausbildung) und Pflegehilfskräften (mit sehr kurzen nicht anerkannten Lehrgängen) sollten ermutigt und unterstützt werden, sich weiter zu qualifizieren. Statt diese allein auf die, für sie in der Regel von drei auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung der Fachkräfte zu verweisen, gilt es auch neue Wege der Weiterqualifizierung zu finden. Diese dürfen nichts kosten, was in der Pflege leider noch nicht in allen Bundesländern Praxis ist. Das Bundesgesundheitsministerium sollte hierfür - statt wie im Bundeshaushalt 2018 vorgesehen für eine reine Öffentlichkeitskampagne - Geld in die Hand nehmen und Modelle entwickeln, die auch parallel zu einer Berufstätigkeit die Qualifizierung zur Fachkraft möglich machen.

Laut Arbeitsagentur waren im April 2018 ...
AltenpflegeArbeitslos gemeldetArbeitssuchend gemeldet  gemeldete Stellen
Hilfskräfte28.12956.7748.539
Fachkräfte 2.9726.55815.263
Krankenpflege (inkl. Rettungsassistenten und Hebammen)
Hilfskräfte5.11210.8011.580
Fachkräfte 5.08110.79512.055

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