Pressemitteilung 20.03.2012

Gentechnik und Welternährung: Verantwortungslose Inkompetenz

Zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage "Haltung der Bundesregierung zur Rolle der Agro-Gentechnik und der EU-Agrarpolitik bei der Sicherung der Welternährung" erklären Harald Ebner, Sprecher für Agrogentechnik, und Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung:

Die Bundesregierung kann keine überzeugenden Belege für einen konstruktiven Beitrag der Agrogentechnik zur globalen Ernährungssicherung vorlegen. Sie räumt sogar ein, dass die Potenziale der Agrogentechnik zur Ertragssteigerung oder Bewältigung des Klimawandels sehr begrenzt sind. Der Grund: Schlüsseleigenschaften wie Trockenheits- oder Salzresistenz sind genetisch viel komplexer als die in der Gentechnik übliche Herbizid-Toleranz, die nur auf einem einzigen Gen beruht.

Die mangelhafte wissenschaftliche Kompetenz und Sorgfalt der Bundesregierung auf diesem Gebiet ist verantwortungslos. Leserbriefe von Lobbyisten der Agrogentechnik-Industrie werden als "wissenschaftliche Studien" interpretiert. Dreist ist die Behauptung, zu den von uns explizit abgefragten möglichen Industrieverflechtungen der zitierten Autoren lägen der Bundesregierung keine Informationen vor. Denn schon eine einfache Suchmaschinen-Recherche offenbart den Hintergrund und die Kunden einiger der Verfasser: Monsanto, Syngenta und Co. Besonders peinlich: die Bundesregierung berichtet stolz von den angeblichen Erfolgen von Kleinbauern in Mali mit dem Anbau von gentechnisch verändertem Mais. Dabei hat es in Mali nie einen Anbau von Gen-Pflanzen gegeben, die zitierte Studie ist nur das Ergebnis einer theoretischen Simulation.

Der skandalöse Mangel an wissenschaftlicher Sorgfalt, den die Bundesregierung bei der Beantwortung der Fragen offenbart, zeigt nicht nur eine bedenkliche Respektlosigkeit gegenüber dem Parlament. Die Bundesregierung macht damit auch deutlich, dass sie der Umsetzung des Menschenrechts auf angemessene Ernährung keine nennenswerte Priorität einräumt. Anders ist auch nicht zu erklären, dass die in Fachkreisen unbestrittenen negativen Konsequenzen der intensiven Fleischproduktion für die globale Ernährungssicherung komplett ignoriert werden. Wer ernsthaft behauptet, dass der Anbau von Futtermitteln in Entwicklungsländern für die Fleischproduktion in Europa ein Beitrag zur Welternährung sei, verspielt jeden Anspruch auf Glaubwürdigkeit in Welternährungsfragen. Die Bundesregierung bestätigt unsere Befürchtung, dass die in Sonntagsreden vorgetragenen Sorgen um die Welternährung nichts weiter sind als eine PR-Fassade - um daraus die finanzielle und politische Förderung der Agrogentechnik sowie der Produktionsausweitung in Europa abzuleiten.. So versucht siedie handfesten Interessen der Agrochemie- und Fleisch-Branche zu verschleiern.

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