Pressemitteilung 23.04.2014

Rana-Plaza-Katastrophe: Entschädigung jetzt

Zum Jahrestag des Einsturzes der Rana-Plaza-Textilfabrik erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik:

Der Aufschrei nach der Tragödie von Rana-Plaza ist wirkungslos verhallt. Die Opfer warten bis heute auf eine angemessene Entschädigung. Die Arbeitsumstände in der Textilindustrie Bangladeschs sind immer noch miserabel und die Löhne reichen den Menschen nicht zum Leben. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft haben es bislang versäumt, die richtigen Lehren aus der Katastrophe zu ziehen.

Besonders unrühmlich ist die Rolle der europäischen und US-amerikanischen Unternehmen, die sich bislang weigern, in den Entschädigungsfonds der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuzahlen. Dabei tragen sie als Auftraggeber in der Rana-Plaza-Fabrik eine Teilschuld an der Tragödie. Von den benötigten 40 Millionen Dollar wurden bislang erst 15 Millionen Dollar in den Fonds eingezahlt. Dieses Verhalten verhöhnt das Leid der Opfer. Entschädigungszahlungen könnten zumindest zu einer kleinen Verbesserung ihrer Lebensumstände beitragen.

Auch in puncto  Arbeitsstandards ist bislang kaum Positives zu erkennen. Die Unterzeichnung des Bangladesh Fire Accords durch europäische und US-amerikanische Unternehmen wurde im vergangenen Jahr noch als großer Fortschritt gefeiert. Allerdings muss sich erst noch herausstellen, inwieweit die versprochenen Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudesicherheit und des Brandschutzes Wirkung zeigen. Immerhin hat es seit der Katastrophe von Rana-Plaza bislang keine weiteren, größeren Unfälle gegeben. 

Ein weiteres Problem bleiben die niedrigen Löhne: Die Regierung Bangladeschs erhöhte zwar den Mindestlohn im Textilsektor, allerdings werden dadurch nicht einmal die gestiegenen Lebenshaltungskosten kompensiert. Der Mindestlohn liegt so immer noch weit unter dem benötigten Living Wage – dem existenzsichernden Lohn .

Aber auch die Verbraucherinnen und Verbraucher hier in Deutschland müssen sich fragen, welche Konsequenzen sie aus der Tragödie von Rana-Plaza gezogen haben. 2013 war die Empörung über die Arbeitsumstände in Bangladesch noch groß. Aber was ist davon geblieben? Konsumentinnen und Konsumenten können Druck ausüben und ein menschenwürdiges Dasein für die Näherinnen und Näher einfordern. Wir dürfen nicht gleichgültig wegschauen und uns durch freiwillige Selbst-Verpflichtungen der Mode-Ketten einlullen lassen. Ein hoher Preis für Kleidung garantiert keine gute Arbeitsbedingungen, aber ein sehr niedriger macht sie faktisch unmöglich. Erst mehr Transparenz durch gesetzliche Offenlegungspflichten könnte wirklich etwas verändern.

Zum Hintergrund: Am 24. April 2013 stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in der Nähe Dhakas ein. Die Katastrophe kostete 1130 Menschen das Leben, 1500 wurden zum Teil schwer verletzt. Durch den enormen öffentlichen Druck unterzeichneten in Bangladesch tätige, westliche Bekleidungsfirmen den „Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh“ . Die ILO führt Verhandlungen, um die Opfer der Katastrophe zu entschädigen.

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