Pressemitteilung 01.08.2014

Tierhaltung: Neue Antibiotika-Zahlen sind alarmierend

Zu den vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlichten Zahlen für den Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung 2013 erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Bestürzend ist der sprunghafte Anstieg bei den für die Humanmedizin besonders wichtigen Reserveantibiotika. Gerade diese Medikamente müssten sparsam eingesetzt werden, um die Entwicklung resistenter Bakterien zu bremsen, gegen die es kaum noch Mittel gibt. Dass in der Tierhaltung nun ausgerechnet Reserveantibiotika einen Boom erleben, ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die von steigenden Resistenzen betroffen sind. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einem Zeitalter, in dem selbst ein entzündeter Kratzer im Knie nicht mehr zu behandeln ist. Der oftmals wahllose und ungezielte Einsatz dieser Mittel in der Massentierhaltung ist eine Verantwortungslosigkeit sondergleichen.

Während Länder wie Dänemark und die Niederlande zeigen, wie man den Einsatz von Reserveantibiotika in der Tierhaltung zurückdrängt, wird in Deutschland nur zögerlich eingegriffen. Die Folgen sind schon heute sichtbar. So warnt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in einem Bericht, dass bei Campylobacter-Keimen mit einem erheblichen Ausmaß an Resistenz auch gegenüber Reserveantibiotika gerechnet werden muss. Campylobacter zählen zu den häufigsten Erregern von Durchfallerkrankungen in Deutschland. Sie werden vor allem durch tierische Lebensmittel übertragen.

Die Bundesregierung muss beim Antibiotikaverbrauch in der Massentierhaltung nun endlich die Reißleine ziehen. Stattdessen wurde aber erst kürzlich die geplante Antibiotikaerfassung bei den Tierhaltern aufgeweicht, in dem ein unverhältnismäßig großer Teil der Betriebe davon ausgenommen wurde. Zudem schürt die Bundesregierung die Fleischproduktion in Deutschland weiter an, obwohl die Bevölkerung immer weniger Fleisch verzehrt. Statt einer ökologisch-verantwortungsvollen Tierhaltung werden so Agrarexporte befeuert, koste es, was es wolle. Die Gesundheit der eigenen Bürgerinnen und Bürger sowie das Wohl der Tiere sind ganz offensichtlich nachrangig.

Hintergrund:
Bei den Cephalosporinen der 3. Generation stieg die Abgabe innerhalb von zwei Jahren um 25 Prozent, bei den Fluorchinolonen sogar um  60 Prozent. Auf Druck der Regierungen ist in Dänemark und in den Niederlanden der Einsatz dieser für Menschen lebenswichtigen Antibiotika in den letzten Jahren um ein Vielfaches gesunken.

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