Pressemitteilung 06.06.2014

Organspende: Kampagnen sind zu wenig

Anlässlich der Vorstellung der Organspende-Kampagne durch Gesundheitsminister Hermann Gröhe im Vorfeld des morgigen „Tages der Organspende“ erklären Elisabeth Scharfenberg, Mitglied im Gesundheitsausschuss und Harald Terpe, Obmann im Gesundheitsausschuss:

Weiterhin sind sehr viele Menschen grundsätzlich bereit, nach ihrem Tod ihre Organe zu spenden. Die wesentliche Voraussetzung dafür ist aber das vollkommene Vertrauen in das System der Organspende und Transplantation.

Dieses Vertrauen ist durch die bekannt gewordenen Skandale in den vergangenen Monaten zutiefst erschüttert. Das macht sich zunehmend in der Ärzteschaft und auch beim Pflegepersonal bemerkbar. Die Kliniken verzichten immer öfter auf die Meldung eines potentiellen Organspenders. Umfragen zufolge sind auch immer weniger ÄrztInnen und Pflegekräfte selbst zu einer Organspende bereit. Der Vertrauensverlust reicht also auch dort weit in die eigenen Reihen.

Einmal verlorenes Vertrauen wieder herzustellen ist weitaus schwieriger als es zu verspielen. Deswegen ist jetzt ein Kraftakt aller Akteure notwendig, um vor allem größtmögliche Transparenz und Unabhängigkeit im System herzustellen. Hier gibt es auch von Seiten des Gesetzgebers noch viel zu tun. Von der Bundesregierung vernimmt man aber rein gar nichts zu diesem Thema.

Es kann nicht sein, dass in Deutschland im Wesentlichen Vereine und private Stiftungen über die Organisation des Transplantationswesens und die Verteilung der Organe entscheiden. Das System darf auch nicht von denen kontrolliert werden, die selbst Akteure sind. Hier muss mehr öffentliche und staatliche Kontrolle organisiert werden. Wir fordern daher weiterhin, die Organspende in die Hände einer Anstalt des öffentlichen Rechts zu legen. Auch die gesetzlichen Regelungen zur Verteilung der Organe müssen präzisiert werden.

Bei der Überprüfung der Lebertransplantationsprogramme durch die Prüfungs- und Überwachungskommission der Bundesärztekammer ist vieles intransparent geblieben. Zudem besteht der begründete Verdacht, dass die PrüferInnen nicht immer allen Verdachtsmomenten und offenen Fragen gleichermaßen nachgegangen sind. Doch die Bundesregierung ist bereits mit der Tatsache zufrieden, dass überhaupt geprüft wurde.

Die Hirntoddiagnostik ist aktuell ebenfalls ins Gerede gekommen. Laut Presseberichten besteht der Verdacht, dass einige potentielle Spender womöglich für hirntot erklärt wurden, ohne dass die geltenden Beurteilungsregeln eingehalten wurden. Eine Hirntoddiagnose muss einhundertprozentig sicher sein. Deswegen muss sich auch die Bundesregierung dafür einsetzen, dass die bestehenden Richtlinien konsequent eingehalten und modernisiert werden.

4392004