Pressemitteilung 06.03.2014

Paralympics in Sotschi: Bunderegierung hat endlich ein Einsehen

Zum Verzicht der Bundesregierung, eine offizielle Delegation zu den Paralympischen Spielen im russischen Sotschi zu senden, erklären Monika Lazar, Obfrau im Sportausschuss, und Özcan Mutlu, Sprecher für Sportpolitik:

Endlich hat die Bundesregierung es begriffen: Mit der Entsendung einer Delegation nach Sotschi hätten offizielle Vertreterinnen und Vertreter der Bundesrepublik Deutschland Putins Spielen ihren Segen gegeben. Der Verzicht auf ein solches Zeichen ist längst überfällig.

Wir fragen uns aber, was einzelne deutsche Politikerinnen und Politiker jetzt noch in Sotschi erreichen möchten. Einige Abgeordnete anderer Fraktionen reisen am heutigen Donnerstag zu den Paralympischen Spielen. Auf ihren Bericht im Sportausschuss des Deutschen Bundestages sind wir nach ihrer Rückkehr besonders gespannt.

Für uns ist aus sportpolitischer Sicht die morgige Eröffnung der Paralympischen Winterspiele in Sotschi eine bittere Enttäuschung. Die Rede vom Olympischen Frieden wird angesichts der russischen Aggression gegen die Ukraine auf der Krim ad absurdum geführt. Weder Olympia noch die Paralympics haben es ganz offenbar geschafft, Putins Säbelrasseln einzudämmen. Unsere frühe Entscheidung, weder zu Olympia noch zu den Paralympics nach Sotschi zu reisen, war richtig.

Die Bundesregierung steht auch nach Verena Benteles Worten in der Pflicht, für die Sicherheit der Sportlerinnen und Sportler zu sorgen. Danach muss die Debatte um Vergabekriterien von Sportgroßereignissen neu geführt werden. Wir brauchen hier endlich einen klaren Fahrplan, damit autokratische Staaten den Sport nicht mehr als Propaganda ihrer Macht nutzen können.

Die Eröffnung der Paralympischen Spiele ist aus sportfachlichen Gesichtspunkten ein freudiges Ereignis. Was einst als Versehrtenturnen begann, hat sich mittlerweile zu einem Sportgroßereignis entwickelt, das mit jeder Austragung an weltweiter Aufmerksamkeit gewinnt. Ohne den ausufernden Gigantismus der Olympischen Spiele vollbringen Sportlerinnen und Sportler aus 45 Nationen wahre Höchstleistungen. Menschen mit und ohne Behinderungen fiebern überall auf der Welt mit. In diesem Jahr ist die Hoffnung auf friedliche Spiele dank Putin aber leider schon vor dem Start gestorben. Man hätte ernsthaft eine Verlegung oder Verschiebung der Paralympics diskutieren müssen.

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