Pressemitteilung 24.03.2014

Steigende Zahl von Mehrfach-Beschäftigten ist alarmierend

Zu den Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, wonach es in Deutschland inzwischen über drei Millionen Mehrfach-Beschäftigte gibt, erklärt Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik:

Die Zahl der Multi-Jobber steigt unaufhörlich und hat mit über drei Millionen eine neue Rekordmarke erreicht. Diese Entwicklung ist aus zweierlei Gründen alarmierend. Aktuell verdienen 6,6 Millionen Menschen in Deutschland weniger als 8,50 Euro in der Stunde, mehr als 1,7 Millionen bekommen sogar Löhne unterhalb von fünf Euro. Viele von ihnen sind auf einen zweiten Job angewiesen, um über die Runden zu kommen. Sie brauchen schnell den gesetzlichen Mindestlohn. Die immer noch virulenten Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn für Minijobber oder Rentner  gehören vom Tisch.

Aber nicht nur die Not ist für den Zuwachs der Nebenjobs verantwortlich: Vor allem Minijobs als Nebenjob sind für Arbeitnehmer attraktiv, weil sie sozial- und abgabenfrei sind. Wer sich zusätzlich etwas gönnen will, kommt mit einem Mini-Neben-Job schneller ans Ziel als mit der Ausweitung der Stundenzahl im Hauptjob. Fair gegenüber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die ihre Arbeitszeit ausdehnen oder Überstunden machen, ist das nicht.

Eine Reform der Minijobs ist daher dringend erforderlich. Ihre staatliche Förderung, die den Trend zu immer mehr Kleinst-Jobs unterstützt, muss beendet werden. Denn durch die Sonderregelungen für Minijobs gehen Sozialversicherungsbeiträge verloren und vor allem Frauen gelingt es schwerer, eigenständig ihre Existenz zu sichern. Stattdessen müssen neue Anreize für existenzsichernde Beschäftigung geschaffen werden.

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