Pressemitteilung 20.11.2014

Digitales Lernen: Bundesregierung muss endlich handeln

Zur heute veröffentlichten "International Computer Information and Literacy Studie" (ICILS) erklärt Özcan Mutlu, Sprecher für Bildungspolitik:

Die Welt bleibt analog, aber das Lernen wird digital. Deshalb müssen die Chancen des digitalen Lernens besser genutzt werden. Doch die Bundesregierung verschenkt diese Chance, wie die ICILS-Studie zeigt. Die Ergebnisse sind ernüchternd und enttäuschend. Beim digitalen Lernen schneiden deutsche Schülerinnen und Schüler nur durchschnittlich ab. Seit 2006 sind keine Fortschritte erkennbar. Es muss doch Bund und Länder wachrütteln, wenn die Wissenschaft dem Bildungssystem attestiert, dass die Schülerinnen und Schüler den Umgang mit Internet und Tablet nicht in der Schule erlernen. Auch zeigt die Studie, dass die neuen Technologien keine der Schwächen des deutschen Bildungssystems angehen: Soziale Herkunft, Geschlecht und Schulform bleiben weiterhin bestimmend für den Lernerfolg. Die riesigen Potenziale der neuen Technologien für die individuelle Förderung von Kindern und Jugendlichen bleiben komplett ungenutzt. Das ist frustrierend und unverantwortlich.

Es reicht deswegen nicht aus, wenn sich das Bundesbildungsministerium die „Förderung von digitalem Lernen und Medienbildung“ in den Organisationsplan schreibt. Die Bundesregierung muss endlich die Kompetenzstreitigkeiten und Konkurrenzen zwischen den Ministerien beilegen, damit auch in der digitalen Bildung endlich etwas geschehen kann. Im Koalitionsvertrag hat die Große Koalition zu Digitalem Lernen noch große Ankündigungen gemacht. Selbst Bundeskanzlerin Merkel hob in ihrer Videobotschaft Ende September die Bedeutung des Digitalen Lernens hervor und sagte, dass "die Vermittlung von Kenntnissen über Computer derzeit die größte Herausforderung für die Schulen" sei. Nun ist Zeit zum Handeln.

Die ICILS-Studie zeigt, dass mehr als Ankündigungen und leere Worthülsen nötig sind. Ob Kenntnisse in der Textverarbeitung, Internetrecherche oder der Umgang mit Risiken im Netz - digitale Grundbildung für alle muss das Ziel sein. Dass die Bundesregierung in ihrer Digitalen Agenda das Wort Schule nur im Vorwort ein einziges Mal verwendet, spricht Bände. Statt sich hinter dem Kooperationsverbot zu verstecken, muss jetzt in die Zukunft investiert und die Bildungsinfrastruktur ausgebaut werden.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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