Pressemitteilung 30.09.2014

Bundesregierung muss Versorgung von Depressiven verbessern

Zum 11. Europäischen Depressionstag erklärt Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik:

Psychische Erkrankungen sind zu Volkskrankheiten geworden. Das gilt insbesondere für Depressionen: Allein im Jahr 2011 erkrankten etwa neun Millionen Erwachsene in Deutschland an einer Depression. Im Laufe seines Lebens erkrankt jeder Fünfte an einer Depression. Trotz ihrer Häufigkeit werden Depressionen oft zu spät erkannt und unzureichend behandelt. Kinder sowie Partner von psychisch kranken Elternteilen erhalten noch immer zu selten Unterstützung in dieser schwierigen Lebenssituation. 

Der Anstieg psychischer Leiden muss uns als gesamte Gesellschaft dazu auffordern, unsere Arbeits- und Lebensweise zu hinterfragen. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die eine gesunde Lebensweise und Zeiten des Miteinanders ermöglichen und Arbeitsprozesse entschleunigen. 

Nicht hinnehmbar sind derzeit übliche Wartezeiten von über drei Monaten für ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten, sowie fehlende Anlaufstellen bei akuten Krisen. Die Politik ist gefragt Versorgungstrukturen aufzubauen, die eine flexible und schnelle Behandlung ermöglichen, damit psychische Störungen nicht chronisch werden und in der Folge Betroffene aus dem Arbeitsleben und ihrem sozialen Gefüge reißen.

Die Bundesregierung hat keine Strategie, wie sie dem drängenden Versorgungsbedarf gerecht werden will. Die geplanten kleinen Korrekturen an der Psychotherapie-Richtlinie reichen für eine bedarfsgerechte gesundheitliche Versorgung und psychosoziale Unterstützung nicht aus, schon gar nicht, wenn es dabei vorrangig um kurzfristige Kostensenkung geht.

Die Bundesregierung ist gefordert, unter Einbeziehung der Länder und Kommunen ein Gesamtkonzept für eine gemeindenahe und personenzentrierte Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen aufzulegen. Benötigt werden Angebote der ambulanten Krisenintervention, genügend psychotherapeutische Plätze ohne lange Wartezeiten, bessere Übergänge zwischen stationärer und ambulanter Versorgung, eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Gesundheits- und Sozialberufen, Angebote der ambulanten, wohnortnahen medizinischen Rehabilitation sowie solche, die auch das persönliche Umfeld einbeziehen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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