Pressemitteilung 02.09.2014

"Euthanasie"-Morde: Mit einem Mahnmal allein ist es nicht getan

Zur heutigen Eröffnung des Gedenk- und Informationsorts für die Opfer der nationalsozialistischen "Euthanasie"-Morde erklärt Volker Beck, Sprecher für Innenpolitik:

Endlich erinnert ein Gedenk- und Informationsort an diesen Aspekt der nationalsozialistischen Rassenideologie. Doch mit einem Mahnmal allein ist es nicht getan. Die Überlebenden der Zwangssterilisierungen und "Euthanasie"-Verbrechen mussten bis in die 1980er-Jahre warten, bis sie erstmals Härteleistungen als Opfer der NS-Unrechtsmaßnahmen erhalten haben. Bis heute sind die beiden Opfergruppen nicht als rassisch Verfolgte des Nationalsozialismus anerkannt.


Die Bundesrepublik Deutschland hat nun lange genug auf Zeit gespielt. Wir appellieren deshalb an den Deutschen Bundestag, unabhängig von Koalitionen und Parteibüchern, die letzte Chance zu nutzen. Wer diese Verbrechen überlebt hat und noch am Leben ist, hat die Blütezeit seines Lebens hinter sich. Statt bewegender Reden fordern wir Taten. Jeder weitere Tag, den die Opfergruppen auf eine Regelung warten müssen, ist einer zu viel.

Im nationalsozialistischen Wahn gegen "lebensunwertes Leben" wurden mehr als 350.000 Menschen zwangssterilisiert. Bis zu 6000 Frauen und ungefähr 600 Männer starben an den Folgen der Eingriffe, weitere 200.000 starben in den "Euthanasie"-Programmen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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