Pressemitteilung 06.04.2015

Weltgesundheitstag: Antibiotikaresistenzen sind auch eine Frage der Lebensmittelsicherheit

Anlässlich des morgigen Weltgesundheitstags (07.04.2015) erklären Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Gesundheitswirtschaft und Prävention, und Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Gute und gesunde Lebensmittel sollten eine Selbstverständlichkeit sein. Jedoch beobachten wir mit Sorge, dass sich in der gesamten Lebensmittelkette gesundheitsgefährdende Keime finden lassen, die zudem häufig gegen gängige Antibiotika resistent sind.

Beim aktuellen Zoonose-Monitoring wird dies besonders deutlich: Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) musste einräumen, dass hochresistente E.coli-Darmkeime bei Hähnchen häufig zu finden sind. Frisches Hähnchenfleisch war zu 66 Prozent mit so genannten ESBL-bildenden E.coli kontaminiert. Geflügel und Geflügelfleisch sind außerdem in hohem Maße mit dem Darmkeim Campylobacter kontaminiert: Die Nachweisrate bei Schlachtkörpern von Masthähnchen lag bei über 50 Prozent. Hier wurden in Produktion und Verarbeitung in den letzten fünf Jahren keinerlei Verbesserungen erzielt. Angesichts der Auswirkungen auf die Gesundheit (in Deutschland gibt es mehr als 60.000 Campylobacter-Infektionen pro Jahr), muss die Lebensmittelkette dringend nachgebessert werden, um Verbraucherinnen und Verbraucher zu schützen.

Der breite Einsatz von Antibiotika sowohl in der landwirtschaftlichen Tierhaltung als auch in der Humanmedizin führt zudem dazu, dass sich vermehrt resistente Keime bilden und es immer schwerer wird, Infektionen zu behandeln. Antibiotika wirken dann oftmals nicht mehr. Um ein postantibiotisches Zeitalter zu verhindern, brauchen wir eine Bekämpfungsstrategie, die auf unterschiedlichen Ebenen ansetzt. Gröhes schwacher 10-Punkte-Plan kann hierfür bestenfalls der Anfang sein.

Die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen wird von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Veterinär- und Humanmedizin müssen interdisziplinär handeln. Um den Antibiotikaeinsatz im Stall zu senken, muss die Haltung der Tiere tiefgreifend verbessert werden. In der Humanmedizin müssen Ärztinnen und Ärzte jeden Einsatz antibiotischer Medikamente sorgfältig abwägen. Bestimmte Antibiotika müssen den Bürgerinnen und Bürgern vorbehalten bleiben, weshalb wir uns für ein Verbot von Reserveantibiotika in der Tierhaltung einsetzen. Dies entspricht auch dem Beschluss der Agrarministerkonferenz der Länder vom 20. März dieses Jahres, worin der Bund aufgefordert wird, in diesem Bereich schnellstmöglich tätig zu werden. Ebenso wichtig ist es, die Öffentlichkeit über geeignete Hygienemaßnahmen und sachgerechte Anwendung von verschriebenen Antibiotika aufzuklären.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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