Pressemitteilung 13.04.2015

Wir trauern um Günter Grass

Zum Tod von Günter Grass erklären Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzende:

Wir trauern um Günter Grass. Er hat das kulturelle, intellektuelle und politische Leben in Deutschland tief geprägt. Dass Deutschland kulturell den Muff der fünfziger Jahre abstreifen konnte, ist auch ihm zu verdanken. Sein Werk – von der „Blechtrommel“ bis „Beim Häuten der Zwiebel“ – umspannt die Zeitepoche des gesamten Nachkriegsdeutschlands. Seine Dichtung wie seine bewussten öffentlichen Äußerungen haben Debatten initiiert und geprägt und damit dazu beigetragen, dass Deutschland zu einem liberalen, weltoffenen Land wurde. Seine Fragen nach der deutschen Schuld und nach den Konsequenzen aus dem Menschheitsverbrechen des Holocaust waren wie Finger, die in offene Wunden gelegt wurden.

Günter Grass war der Inbegriff des öffentlichen Intellektuellen. Ein Dichter, der sich einmischt und unbequem sein muss. Literatur war für ihn kein l'art pour l'art, sondern Medium der Verständigung der Gesellschaft über sich selbst. Dass Grass gelegentlich danebenlag – etwa bei seiner Israelkritik oder seinen Äußerungen zur SED-Diktatur - muss man aushalten. Dafür hat der Dichter selbst in Ecken geschaut, in die viele seiner politischen Freunde nicht hineinsehen wollten, etwa wenn er das Thema Vertreibungen aufgriff. Schließlich hat er sich, wenn auch spät, seiner eigenen Verstrickung in den Nationalsozialismus gestellt.

Seinem Wirken und seinem Werk gilt unser Respekt. Der unruhige Geist des Günter Grass wird uns fehlen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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