Pressemitteilung 15.12.2015

Bahn: Aufsichtsrat muss Weichen neu stellen

Zur morgigen Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn AG erklärt Matthias Gastel, Sprecher für Bahnpolitik:

Jetzt rächt sich, dass der Aufsichtsrat in den letzten Jahren die Weichen falsch gestellt hat. Die Bahn AG hat sich überdehnt, in globale Logistik und Prestigeobjekte mehr investiert als in Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit. Jetzt fällt die notwendige Kurskorrektur umso schwerer.

Bahnchef Grube will mit besserer Qualität mehr Kunden gewinnen. Das hört sich genauso gut an, wie die im Frühjahr angekündigte Ausweitung des Fernverkehrsangebots. Doch reichen große Worte und Versprechen lange nicht mehr. Denn die Wirklichkeit sieht leider trüb aus. Im Fernverkehr werden keine zusätzlichen Kunden gewonnen. Der Bahnkonzern schreibt tiefrote Zahlen. Und die Schulden steuern auf den Stand von vor der Bahnreform zu. Die Deutsche Bahn hat ihre Chancen durch die Bahnreform vor 20 Jahren nicht genutzt. Das Unternehmen muss jetzt endlich schlüssige Konzepte für pünktliche Züge und bessere Servicequalität vorlegen.

Auch die Bundesregierung ist mitschuldig am Bahnschlamassel. Erst letzte Woche hat die Eröffnung der Neubaustrecke zwischen Leipzig und Erfurt wieder einmal vor Augen geführt, zu welch gigantisch teuren Projekten mit überschaubaren Nutzen für wenige die Bahn immer wieder von Bundesseite gezwungen wird. Stuttgart 21 ist ein weiteres Beispiel dafür. Die Bundesregierung setzt noch ein weiteres obendrauf, indem sie die Bahn vertraglich zu hohen Dividendenausschüttungen verpflichtet, die einen guten Teil der morgen verkündeten Verluste für dieses Jahr ausmachen.

Der Bund muss sich die Frage gefallen lassen, wohin er als hundertprozentiger Eigentümer mit dieser Bahn möchte. Und er muss sich endlich seiner Rolle im Aufsichtsrat bewusst werden und diese auch aktiv wahrnehmen. Die Bahn wiederrum muss endlich den Kunden in den Blick nehmen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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