Pressemitteilung 09.07.2015

Tierwohl: Freiwilligkeiten reichen nicht aus

Zu Vereinbarungen von Minister Schmidt mit der Geflügelwirtschaft gegen das Schnabelkürzen sowie zu Plänen zum Ausstieg aus der Kükentötung erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Herr Schmidt wirft mal wieder Nebelkerzen. Seine Pläne und Vereinbarungen lesen sich gut auf dem Papier – helfen den Küken, Hühnern und Puten aber viel zu wenig in der Praxis. Der Minister sollte es besser wissen: Wenn er wirklich mehr Tierwohl will, reichen Freiwilligkeiten nicht aus.

Seit 2005 gibt es immer neue „verbindliche Freiwilligkeiten“ für mehr Tierwohl. Wieviel uns das gebracht hat, sehen wir am Beispiel der Puten: Die Putenhaltung weist in der Mehrheit der Ställe schwerwiegende Missstände auf – fast 100 Prozent der Tiere leiden unter Fußballenerkrankungen. Für die Haltung von Puten existieren anstatt gesetzlichen Mindeststandards lediglich freiwillige Vereinbarungen, die offensichtlich völlig unzureichend sind.

Nicht-kurative Eingriffe wie das Kürzen von Schnäbeln sind im Tierschutzgesetz verboten. Herr Schmidt macht sich lächerlich, wenn er fadenscheinige Freiwilligkeiten zum Ausstieg aus dem Schnäbelkürzen vereinbart.

Der Landwirtschaftsminister will erst 2017 aus dem Kükenschreddern aussteigen. Bis dahin werden also noch weitere 80 Millionen Küken getötet. Männliche Küken brauchen verbindlichen Schutz statt warmer Worte. Die Bundesregierung muss das Töten von Eintagsküken aus wirtschaftlichen Gründen untersagen. Dazu muss das Tierschutzgesetz sofort geändert werden. Der grüne NRW-Landwirtschaftsminister Remmel will das sinnlose Töten von Küken stoppen. Er ist aber vom Gericht gestoppt, weil im Bundestierschutzgesetz eine klare Rechtsgrundlage dafür fehlt. Hier ist Agrarminister Schmidt gefordert, endlich eine Regelung zu schaffen, die das Töten und Schreddern der Küken stoppt.

Immer mehr Menschen im Land wollen eine Landwirtschaft ohne unnötiges Tierleid. Ein Bundesminister für Landwirtschaft und Ernährung hätte die Möglichkeiten, durchschlagende Veränderungen durchzusetzen – aber Herr Schmidt versteckt sich hinter einer Politik der Freiwilligkeiten und Hinhaltungen, die schnell versandet. Dieser Weg führt gerade nicht zu einer gesellschaftlich akzeptierten, zukunftsfähigen Landwirtschaft. 

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