Pressemitteilung 13.05.2015

DART 2020: Problem erkannt, aber nicht gebannt

DART 2020: Problem erkannt, aber nicht gebannt 

Anlässlich der Verabschiedung einer neuen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) im Bundeskabinett erklären Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft, und Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Zu viel, zu oft und zu zweckfremd werden Antibiotika in der Human- und Veterinärmedizin eingesetzt, sodass sich vermehrt resistente Keime bilden und es immer schwerer wird, Infektionen zu behandeln. Das hat nun auch die Bundesregierung verstanden. Die überarbeitete Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) ist besser als der Vorgänger, jedoch bleibt die Gefahr bestehen, dass die Wirkung verpufft. Denn ohne konkrete finanzielle Untersetzung sowie einer festen Zeitschiene zur Umsetzung, vor allem aber ohne Kontrollen und Evaluation der vielen angekündigten Maßnahmen lässt sich das Problem der Antibiotikaresistenzen nicht lösen.

Viele Baustellen, die bereits in der ersten DART angesprochen, aber nicht umgesetzt wurden, bestehen heute noch weiter. Wir wissen, dass mit einer guten Diagnostik und gezielter Therapie bis zur Hälfte der Antibiotikaverschreibungen im ambulanten Bereich reduziert werden können. Deshalb brauchen wir endlich umfassende Leitlinien für den Antibiotikaeinsatz im ambulanten Bereich. Für die Prävention von Infektionserkrankungen, für die Beförderung eines bewussten Umgangs mit Antibiotika und für die Information über die Risiken der multiresistenten Erreger, sind zudem Öffentlichkeitskampagnen notwendig.

Im stationären Bereich gibt es ebenfalls viel zu tun: Gute Hygiene kann nur dann umgesetzt werden, wenn ausreichend Personal zur Verfügung steht. In Krankenhäusern und auch Pflegeeinrichtungen geht die Übertragung resistenter Keime vor allem vom Problem der Überlastung des Personals aus, insbesondere der Pflegekräfte. Hier muss die Bundesregierung mutiger sein und endlich ein Personalbemessungsverfahren einführen, zumindest für die Stationen, bei denen ein erhöhtes Risiko besteht, mit resistenten Keimen in Kontakt zu kommen.

Bezüglicher der Veterinärmedizin bleibt in der DART der wichtigste Aspekt zur Vermeidung von Resistenzbildung unerwähnt: Oberstes Ziel innerhalb einer solchen Strategie sollte es sein, durch eine maximale Tiergesundheit Erkrankungen und damit den Antibiotikaeinsatz zu vermeiden. Eine artgerechte Tierhaltung mit niedrigen Bestandsobergrenzen, angemessenem Leistungsniveau, mit mehr Auslauf, Platz, Licht, Beschäftigung sowie intensiver Bestandsbetreuung, fördert bekanntlich eine hohe Tiergesundheit. Dies ist in der Mehrheit der deutschen Ställe heutzutage bedauerlicherweise nicht gegeben. Desweiteren wird in der DART die Problematik des hohen Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tierhaltung drastisch unterschätzt. Deutschland gehört zu den traurigen Spitzenreitern des Antibiotikaeinsatzes in der Tierhaltung. Das Mindeste sollte hier ein Verbot von Reserveantibiotika sein.

 Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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