Pressemitteilung 27.11.2015

Trotz massiver Kritik aus den eigene Reihen: Koalition zieht Reform der Pflegeausbildung durch

Zu den heute bekanntgewordenen Details zur Reform der Pflegeausbildung erklärt Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik:

Es ist unglaublich, dass die Koalition trotz der immer lauter werdenden Kritik selbst aus den eigenen Reihen an der Zusammenlegung der drei Pflegeberufe festhält. Statt die Reform an die Wand zu fahren, sollte sie ihren Gesetzentwurf noch einmal überarbeiten. Eine Ausbildungsreform kann nur funktionieren, wenn die Fragen zur Umsetzung und zur Qualität beantwortet sind.
Fraglich ist, wie Lerninhalte und Schlüsselkompetenzen von bisher drei Ausbildungen in derselben Zeit vermittelt werden sollen, in der bislang eine Ausbildung stattfand.

Dabei werden Fähigkeiten und Wissen auf der Strecke bleiben. Am Ende der Ausbildung werden Generalisten stehen, die die spezifischen Kenntnisse für ihren Beruf erst noch erwerben müssen.

Das gebetsmühlenartig vorgetragene Argument, eine vereinheitlichte Ausbildung erhöhe die Attraktivität und womöglich die Bezahlung des Pflegeberufs, überzeugt nicht. Nicht die Ausbildung macht einen Beruf attraktiv, sondern die Arbeitsbedingungen vor Ort.

Die vereinheitlichte Ausbildung wird auch große organisatorische Schwierigkeiten nach sich ziehen. Gerade im ländlichen Raum dürfte es schwierig werden, Praxiseinsatzorte für alle drei Berufsbereiche zu finden, ohne dass die Auszubildenden lange unterwegs sind. Und es fehlt schon jetzt an Lehrkräften für die Pflegeausbildung. Diese Lücke wird durch veränderte Anforderungen an Lehrkräfte für die generalistische Ausbildung noch mal sehr viel größer werden.
Aufgrund dieser ungelösten Probleme könnte es nach der Ausbildungsreform weniger Ausbildungsplätze geben als jetzt. Das wäre angesichts des bereits bestehenden akuten Pflegekräftemangels verheerend für die Patienten, die Pflegebedürftigen und die Pflegekräfte. .

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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