Pressemitteilung 09.10.2015

Jobcenter dürfen nicht zweites Nadelöhr der Flüchtlingsintegration werden

Zu den Äußerungen von Arbeitsministerien Nahles, dass Unternehmen mehr Betriebspraktika für Flüchtlinge anbieten sollen, erklärt Brigitte Pothmer, Sprecherin für Arbeitsmarktpolitik:

Ministerin Nahles hat Recht: Die Flüchtlinge sind eine riesige Chance für unser Land. Gleichzeitig ist ihre Arbeitsmarktintegration eine große Herausforderung, die ohne die Wirtschaft nicht zu meistern ist. Doch die Betriebe brauchen die richtigen Rahmenbedingungen, um ihren Beitrag leisten zu können. Hier ist vor allem Nahles in der Pflicht.

Die Vermittlung von Praktika findet in den Jobcentern statt, die schon jetzt an der Belastungsgrenze arbeiten. Sie haben bisher noch keinen zusätzlich Cent von Nahles für ihre Aufgabe bekommen. Darum drohen die Jobcenter nach dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zum zweiten Nadelöhr bei der Flüchtlingsintegration zu werden. Nahles muss deshalb sofort für 3000 zusätzliche Stellen in Jobcentern und Arbeitsagenturen sorgen und mehr Mittel für die Förderung bereitstellen.

Wenn aus den Praktika echte Ausbildungsverhältnisse entstehen sollen, muss Nahles zudem eine rechtssichere Lösung für Geduldete, Asylsuchende und Betriebe für die gesamte Zeit der Ausbildung und die anschließende Beschäftigung schaffen. Das fordert auch die Wirtschaft eindringlich. Nach derzeitigem Recht müssen geduldete Azubis und ausbildende Betriebe jedes Jahr erneut eine Abschiebung fürchten. Geduldeten über 21 Jahren und Asylsuchenden versperrt die jetzige Regelung den Weg in Ausbildung sogar vollständig. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 waren fast 30 Prozent der Azubis in Deutschland bei Antritt der Ausbildung 21 oder älter. Wenn Nahles es ernst damit meint, frühzeitig in die Chancen der jungen Flüchtlinge investieren zu wollen, dann muss sie hier dringend nachbessern.

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