Pressemitteilung 03.09.2015

Museum der Moderne: Ideenwettbewerb startet – und bremst Kreativität

Zum heutigen Start des Ideenwettbewerbs für das geplante Museum der Moderne erklären Anja Hajduk, Mitglied im Haushaltsausschuss und Chris Kühn, Mitglied im Bauausschuss:

Der Bau eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist eine große Chance für die Kulturlandschaft und das Berliner Kulturforum. Umso ärgerlicher ist es, dass der heute beginnende Ideenwettbewerb das städtebauliche Potential ignoriert. Er lässt eine transparente Bürgerbeteiligung nicht zu.

Kulturstaatsministerin Grütters hat den Wettbewerb auf einen Standort begrenzt und damit den teilnehmenden Architektenteams unnötig Scheuklappen angelegt. Als mögliches Baufeld wird nur die Fläche an der Potsdamer Str. benannt und der Standort an der Sigismundstr. außen vor gelassen. Aus städtebaulicher Sicht ist es ein Denkfehler, das geplante Museum nur als Gebäude zum Thema zu machen. Man muss das Kulturforum als Ganzes in den Mittelpunkt stellen. So wird möglicherweise die Chance verpasst, die herausragenden Bauten an diesem Platz endlich als Gesamtwerk zu verbinden. Wir hoffen und erwarten, dass durch die Expertise im Preisgericht die städtebaulichen Chancen und Notwendigkeiten trotzdem beleuchtet werden. Nur so kann der Ideenwettbewerb wirklich offen sein.

Doch nicht nur städtebaulich versucht Frau Grütters den Ideenwettbewerb einzuschränken. Auch hinsichtlich der Bürgerbeteiligung unterbindet sie eine offene Diskussion. Die Wettbewerbsbeiträge werden erst nach der Entscheidung des Preisgerichts interessierten Bürgerinnen und Bürgern zugänglich gemacht. Einem so bedeutendem Projekt wird dies nicht gerecht. Anstatt die Impulse und Ideen eines großen Diskurses zu nutzen, soll die Anzahl der Beteiligten minimiert werden.

Dieser Versuch, eine offene Diskussion einzugrenzen, birgt gerade in einer so meinungsfreudigen Stadt wie Berlin viel größere Risiken für Verzögerungen als ein gut strukturiertes Beteiligungsverfahren. Auch konterkariert die Scheu vor öffentlicher Partizipation das Ziel des geplanten Museums. Dieses soll doch die großartigen Werke des vergangenen Jahrhunderts der Bevölkerung zugänglich machen.

Wir setzen uns für mehr Offenheit bei der Konzeptualisierung ein, weil wir große Unterstützer des Museums sind. Eine so bedeutsame Chance für die Museumslandschaft am Kulturforum darf nicht durch unnötige Vorfestlegungen und unzureichende Bürgerbeteiligung verbaut und womöglich verzögert werden.

Hintergrund: Am 13. November 2014 wurden für den Bau eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhunderts durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages mit den Stimmen aller Fraktionen 200 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. Heute startet der Ideenwettbewerb, an dem sich weltweit Architektenteams beteiligen können.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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