Pressemitteilung 22.04.2016

Billige Masche – Drei Jahre nach der Rana Plaza Katastrophe bleibt das Textilbündnis wirkungslos

Zum Jahrestag des Einsturzes der Rana Plaza Textilfabrik, am 24. April erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik.

Drei Jahre nach der Einsturzkatastrophe haben sich die Arbeitsbedingungen in Bangladesch kaum verbessert. Trotz des weltweiten Aufschreis über die Zustände vor Ort leiden die Menschen weiterhin unter den unmenschlichen Produktionsbedingungen. Die Löhne reichen immer noch nicht zum Leben. Immer wieder kommt es zu Fabrikbränden. Die Renovierung der Fabriken stagniert. Es braucht deshalb endlich mehr Transparenz entlang der Lieferkette. Perspektivisch müssen Umwelt- und Sozialstandards gesetzlich festgeschrieben werden.

Obwohl tausende Produktionsstandorte eklatante Sicherheitsmängel aufweisen, stehen Unternehmen und politische Entscheidungsträger auf der Bremse, wenn es darum geht die Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern. Zahlreiche Unternehmen sparen bei der Gebäudesicherheit und zahlen weiterhin Hungerlöhne. Die Industriestaaten setzen bei der Lieferkettenkontrolle weiter auf Freiwilligkeit.

Auch in Deutschland gibt es keine verbindlichen Umwelt- und Sozialstandards für die internationale Lieferkette. Entwicklungsminister Müller rief zwar das so genannte „Bündnis für nachhaltige Textilien“ ins Leben, die Wirkung dieser freiwilligen Initiative ist jedoch längst verpufft. Nach gut anderthalb Jahren wurde trotz zahlreicher Gesprächsrunden praktisch nichts erreicht. Das liegt auch daran, dass große Unternehmen im Bündnis den Ton angeben. Sie haben kein Interesse daran, die Produktionsbedingungen zu verbessern, sondern sehen das Bündnis als staatlich subventionierte PR-Kampagne. Schuld daran ist auch der Minister: Anstatt als Reaktion auf die Einsturzkatastrophe endlich verbindliche Standards einzuführen, hat Müller durch seine freiwillige Initiative den Druck von den Unternehmen genommen. Die Konzerne können sich zurücklehnen und durch ihre Mitgliedschaft Engagement vortäuschen. Zu allem Überfluss wurden zudem die Zeitziele des Bündnisses gestrichen. Die Unternehmen werden so praktisch dazu eingeladen den Prozess zu verschleppen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

4398996