Pressemitteilung 12.04.2016

Ergebnisse des Pharmadialogs: Weiße Salbe für patientenorientierte Arzneimittelversorgung

Anlässlich der heutigen Vorstellung der Ergebnisse des Pharmadialogs der Bundesregierung erklärt Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Prävention und Gesundheitswirtschaft:

Die Ergebnisse des Pharmadialogs sind dürftig. Wesentliche Probleme der Arzneimittelversorgung werden gar nicht angegangen, so beispielsweise die Impfstoffsicherstellung sowie die Forschung und Produktentwicklung für armutsassoziierte Erkrankungen.

Und das wenige Konkrete bleibt im Nebulösen: Die rückwirkende Preiserstattung bei teuren Medikamenten nach den Rabattverhandlungen ist richtig, die von Bundesgesundheitsminister Gröhe vorgeschlagene Höhe erscheint jedoch völlig beliebig. Auch das Bekenntnis die Arzneimittelversorgung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern, ist richtig und längst überfällig. Jedoch brauchen wir mehr als nur Lippenbekenntnisse, um geeignete Darreichungsformen für Kinder und Jugendliche zu ermöglichen.

Der Vorschlag, zukünftig ausgehandelte Rabatte neuer Arzneimittel vertraulich zu behandeln, ist eine bittere Pille für die Patientenorientierung. Die Transparenz der Preise und Rabatte ist unbedingt zu erhalten, denn der globale Markt wird sich immer ein Referenzsystem für Preise suchen. Gesetzlich Versicherte aber haben einen Anspruch auf volle Information, wofür ihre Beiträge verwandt werden.

Die Antibiotikaresistenzen anzugehen, ist richtig, denn sie sind ein weltweites Problem. Es ist jedoch unverantwortlich, dass die vielversprechenden Ankündigungen im Rahmen des G7-Gipfels im vergangenen Jahr, kaum Eingang in die Ergebnisse des Pharmadialoges gefunden haben. Ein Forschungsfonds für Antibiotikaresistenzen lässt noch immer auf sich warten. Aber selbst wenn wir vermehrt Antibiotika entwickeln, ist das Problem nicht gelöst. Denn was nützen uns mehr Antibiotika, wenn sie weiter unnötig verschrieben oder in der Massentierhaltung flächendeckend eingesetzt werden? Die Bundesregierung konnte sich bisher nicht einmal zu einem Verbot des Einsatzes von Reserveantibiotika in der Tierhaltung durchringen.

Die Bundesregierung bleibt beim Pharmadialog beim Motto: Schön, dass wir darüber geredet haben. Die Ergebnisse sind jedoch nichts weiter als weiße Salbe für die patientenorientiere Arzneimittelversorgung.

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