Pressemitteilung 24.06.2016

Glyphosat: Mut zum Kurswechsel

Zur heute endgültig gescheiterten EU-Mehrheit für eine Glyphosat-Laufzeitverlängerung erklärt Harald Ebner, Gentechnik- und Bioökonomiepolitik:

Es ist ein guter Erfolg für Menschen und Umwelt, dass Glyphosat heute auch im allerletzten Versuch keine ausreichende Mehrheit bekommen hat. Das meistverwendete Pestizid der Welt ist deutlich angezählt und hat keine große Zukunft mehr. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich ausgerechnet EU-Schwergewichte wie Deutschland und Italien der Stimme enthalten haben, statt sich klar zu positionieren. Offenbar wollen sie die unpopuläre Glyphosat-Laufzeitverlängerung an die EU-Kommission abschieben.

Richtig und ein klares Signal wäre aber nur ein entschlossenes Nein auch von der Bundesregierung gewesen, solange der Allround-Pflanzenvernichter unter Krebsverdacht steht und auch andere Risiken für Umwelt und Gesundheit nicht ausreichend geklärt sind. Das gebietet schon das Vorsorgeprinzip. Laut aktueller Umfrage wollen 83 Prozent der Deutschen ein Glyphosat-Verbot. Die EU-Kommission sollte den Mut haben, sich dieses Mal einfach zu weigern, den Staaten die Entscheidung abzunehmen. Dann liefe die Glyphosat-Zulassung nächste Woche einfach aus. Klagen der Glyphosat-Hersteller dagegen wären möglich - es wäre den Menschen aber kaum zu vermitteln und würde die EU-Verdrossenheit weiter befördern, wenn Monsanto und Konsorten Europa den Stoff per Gerichtsbeschluss aufzwingen.

Ein Ende der Zulassung wäre auf jeden Fall ein deutliches Signal, dass sich am Pestizid-Zulassungsverfahren und an der chemiebasierten industriellen Landwirtschaft grundsätzlich etwas ändern muss. Dieses Signal sollte auch Agrarminister Schmidt in Berlin endlich begreifen. Wir brauchen eine nachhaltige Landwirtschaft, die unsere Lebensgrundlagen bewahrt, statt sie zu zerstören.

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