Pressemitteilung 22.06.2016

Hunger-Konferenz: Schmidt und Müller müssen Ergebnisse liefern

Zur heutigen Eröffnung der internationalen „Politik gegen Hunger“-Konferenz in Berlin erklärt Uwe Kekeritz, Sprecher für Entwicklungspolitik, und Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Beim Kampf gegen weltweiten Hunger und Mangelernährung klafft bei dieser Bundesregierung eine große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Es ist begrüßenswert, dass die Konferenz das Menschenrecht auf Nahrung, die Diversifizierung der Produktion, Verlust von Nahrungsmitteln und die Bedeutung von Frauen und der Bildung beim Kampf gegen Hunger und Mangelernährung in den Fokus rückt. Genau das erwarten wir aber auch von der Bundesregierung. Leider stehen die von den Ministern Müller und Schmidt gemachten Vorschläge zu oft im Widerspruch zu den Schwerpunkten der Konferenz.

Entwicklungsminister Müller lädt Bayer, BASF & Co. dazu ein, sich bei öffentlichen Entwicklungsgeldern zu bedienen. Das Hofieren der Agrar- und Chemiekonzerne macht deutlich: Zu oft stehen Profitinteressen über dem entwicklungspolitischen Nutzen von Projekten. Teures, patentierte Saatgut und pestizidintensive Landwirtschaft führt vor allem zu Abhängigkeiten der Bauern und eben nicht zu Diversifizierung der Produktion. Auch die umwelt- und gesundheitsschädigenden Auswirkungen sind verheerend.

Landwirtschaftsminister Schmidt setzt indes weiter auf Expansion und Export für hiesige Bäuerinnen und Bauern. Diese „Immer mehr und immer billiger“ bringt nicht nur heimische bäuerliche Betriebe in Bedrängnis - die europäischen Exporte zu Dumpingpreisen gefährden das Menschenrecht auf Nahrung in Entwicklungsländern. Wenn EU-Milchpulver in Burkina Faso nur ein Drittel der lokal produzierten Frischmilch kostet, kommen lokale Produzenten unter die Räder. Da sie gleichzeitig Produzenten und Konsumenten von Agrarprodukten sind, leiden sie unter diesem Preiskampf zugunsten der Profite einiger weniger Konzerne.

Beide Minister sollten handelspolitischen Fehlentscheidungen entgegentreten, die den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten untergraben. Sie sollten ihre Politik ändern und an einer globalen Agrarwende mitarbeiten, statt sich mit guten, aber unverbindlichen Konferenzen nur zu schmücken.

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