Pressemitteilung 25.05.2016

Pflegenoten: Qualität entsteht nicht durch Kontrolle

Zur Neuauswertung der Pflegetransparenzberichte durch die Bertelsmann-Stiftung erklärt Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik:

Die Pflegenoten sind nicht aussagekräftig und verschleiern mehr, als dass sie Orientierung bieten. Deswegen haben wir mehrfach die sofortige Aussetzung der Pflegenoten gefordert – Union und SPD haben sich jedoch taub gestellt. Die Ergebnisse der Bertelsmann-Stiftung verwundern daher nicht.

Die Pflegenoten kranken an vielem, und mit einer reinen Überarbeitung ist es nicht getan: Zu erwarten ist mehr Nebel statt Transparenz, schon weil die geplante neue Qualitätsberichterstattung wieder durch die Krankenkassen und Einrichtungsträger entwickelt wird – also genau die, die es schon bisher nicht hingekriegt haben.

Transparenz ist wichtig, aber sie wird nie allein durch Prüfungen, Dokumentation und Berichterstattung zu erreichen sein. Mindestens ebenso wichtig ist die alte Forderung: Öffnet die Pflegeeinrichtung, aber auch die Dienste, etwa durch die Beteiligung von Ehrenamtlichen oder die Einbeziehung der Angehörigen und der Nachbarschaft.

Qualität lässt sich nicht allein durch Messungen und noch mehr Kontrollen erreichen. Qualität in der Pflege bemisst sich zuallererst an der Lebensqualität der Pflegebedürftigen. Nur durch gutes und zufriedenes Personal, durch ein offenes Betriebsklima und eine gute Mitarbeiterführung wird diese Qualität zu erreichen sein.

Eine aktuelle Studie des Zentrums für Qualität in der Pflege zeigt, dass die Menschen das begriffen haben: Nur fünf Prozent würden sich bei der Auswahl von professionellen Pflegeangeboten auf offizielle Bewertungen stützen. Die meisten verlassen sich auf Erfahrungen von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen oder wollen sich selbst einen Eindruck verschaffen, indem sie zum Beispiel das Pflegeheim besuchen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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