Pressemitteilung 04.11.2016

Reform der Pflegeausbildung muss neu aufgerollt werden

Nach aktuellen Meldungen könnte die von der Bundesregierung geplante Reform der Pflegeausbildung an massivem Widerstand in der Unions-Fraktion scheitern. Dazu erklärt Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik:

Gesundheitsminister Hermann Gröhe muss die geplante Reform der Pflegeausbildung noch einmal sehr gründlich überdenken. Wir weisen seit Jahren darauf hin, dass die geplante Zusammenlegung - die sogenannte Generalisierung - von Kinderkranken-, Gesundheits- und Altenpflege ein Fehler wäre. Die grundlegenden Probleme im Berufsfeld Pflege werden aus unserer Sicht damit nicht gelöst, sondern eher verschärft.

Unabhängig davon, wie man inhaltlich dazu steht, so zeigt doch der Konflikt in der Union deutlich, wie umstritten dieses Vorhaben ist. Eine so weitreichende und zukunftsweisende Entscheidung sollte aber erst getroffen werden, wenn fachlich alle Zweifel aus dem Weg geräumt sind. Dies ist nicht der Fall. Es bleiben unbewiesene und wenig überzeugende Behauptungen, dass ein einheitliches Berufsbild den Pflegeberuf attraktiver machen würde, eine bessere Bezahlung der Pflegekräfte nach sich ziehe und sich dadurch die Versorgung in der alternden Gesellschaft verbessere.

Wir befürchten, dass durch die Reform dringend notwendiges Fachwissen in der Pflege verloren geht. Dies ist kaum anders vorstellbar, wenn man die Ausbildungsinhalte der bisherigen drei Pflegeberufe in weiterhin drei Ausbildungsjahren vermitteln will.

Natürlich sehen auch wir großen Reformbedarf. Ganz ohne Zweifel müssen die Pflegeberufe aufgewertet und attraktiver werden. Dazu zählt auch eine Reform der Pflegeausbildung. Diese muss den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft angepasst und modernisiert werden. Wir brauchen für eine gute pflegerische Versorgung spezialisierte Fachleute. Deshalb setzen wir uns seit 2011 für eine integrative Pflegeausbildung ein. Das heißt, gemeinsame Ausbildungsinhalte sollen zunächst zusammen gelehrt werden, dann soll eine Spezialisierung in einem der drei pflegerischen Berufszweige erfolgen. Der jeweils andere Berufsabschluss kann durch eine Ausbildungsverlängerung erworben werden.

Die Pflegeausbildung muss endlich überall im Lande kostenfrei sein. Dieses Anliegen teilen wir mit der Bundesregierung, ebenso das Ziel der Einführung eines Umlageverfahrens zur Ausbildungsfinanzierung.

Es sollte im Interesse aller Akteure sein, dass am Ende eine fachlich überzeugende Lösung steht und wir uns nicht in Grabenkämpfen verlieren.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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