Pressemitteilung 07.10.2016

ZDF-Gutachten: Wichtiger Anstoß zur zukünftigen Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Zur heutigen Vorstellung des Gutachtens „Legitimation und Auftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Zeiten der Cloud“ im Auftrag des ZDF erklärt Tabea Rößner, Sprecherin für Medienpolitik:

Es ist gut und wichtig, dass das ZDF vor dem Hintergrund der sich rasant verändernden Medienlandschaft mit diesem Gutachten dringliche Fragen anpackt. Nämlich, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk zukünftig seinen Auftrag erfüllen und seine Zuschauerinnen und Zuschauer auch erreichen kann. Es geht - nicht zuletzt nach den Streitigkeiten um die Tagesschau-App - schlicht darum, mit welchen Angeboten er wie im Internet auftreten darf und auch auffindbar ist. Denn seine Legitimation beruht schon längst nicht mehr auf Knappheit der Frequenzen, sondern er hat eine verfassungsrechtlich festgestellte Entwicklungsgarantie, die ihn berechtigt, auch in der digitalen Medienwelt sein Angebot platzieren zu können. Die öffentlich-rechtlichen Online-Angebote sind speziellen Qualitätsanforderungen verpflichtet und tragen mit ihrem besonderen Profil zur publizistischen Konkurrenz und zur Orientierung im Netz bei.

Das Gutachten weist aber auch auf wesentliche Baustellen hin: Wie kann eine zeitgemäße Regulierung von Telemedien- und Rundfunkangeboten erfolgen? Welche Kriterien müssen über Bord geworfen, welche neuen können herangezogen werden? Wie können die Bundesländer, die für die Rundfunkregulierung verantwortlich sind, in einer globalen Medienlandschaft effektiv agieren?

Beachtenswert ist zum Beispiel die Empfehlung, dass von den Sendeanstalten für ihre eigenen Plattformen auch unabhängig vom linearen Sendeprogramm eigene audiovisuelle Inhalte erstellt werden können. Um die Verbreitung und Auffindbarkeit öffentlich-rechtlicher Inhalte zu verbessern, solle eine intensivierte Präsenz auf Drittplattformen ermöglicht werden. Zudem sollten die Verweildauern im Netz flexibel an den Auftrag des jeweiligen Angebots angepasst werden.

Das Gutachten und seine Thesen geben viele Anstöße. Es verdient daher eine intensive öffentliche Diskussion und eine baldige Reaktion der verantwortlichen Bundesländer.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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