Pressemitteilung 07.04.2017

Reform der Pflegeausbildung: Kompromiss lässt viele Fragen unbeantwortet

Zum Kompromiss der Koalition zur Reform der Pflegeausbildung erklärt Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik:

Dass wieder Bewegung in die Reform der Pflege-Ausbildung kommt ist begrüßenswert. Es ist ein wichtiges Signal an die Pflegekräfte, dass die Koalition die Bedeutung dieser Reform erkennt und doch noch handelt.

Ob die nun getroffene Vereinbarung fachlich jedoch trägt, ist keineswegs sicher. Zu viele Fragen lässt der Kompromiss offen. Alle Expertinnen und Experten sowie Fachverbände müssen Gelegenheit bekommen, gehört zu werden und umfassend Stellung zu nehmen. Deswegen muss es noch mal eine ausführliche öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss geben. Es geht immerhin um die zukunftsfähige Ausgestaltung eines Berufsfeldes, das schon jetzt, aber erst recht im demografischen Wandel von extrem hoher Bedeutung ist.

Schon jetzt steht jedoch fest: Mit dem bestehenden Reformentwurf wirft die Koalition zwei grundlegend verschiedene Modelle in einen Topf, ohne dabei wirklich neue Lösung zu finden. So will die Koalition die generalistische und die – von uns Grünen geforderte – integrativ-gestufte Ausbildung jeweils ein bisschen einführen. Ob das wirklich ein sinnvoller und praktikabler Ansatz ist, muss nun intensiv geprüft werden. Unklar ist beispielsweise, worin genau etwa die Abgrenzung des generalistischen zu den anderen Berufszweigen besteht. Auch wirkt dieser Ansatz sehr komplex und bürokratisch. Gesichert muss sein, dass die Spezialisierung der Alten- und Kinderkrankenpflege wirklich erhalten bleibt. Dies soll laut dem Konzept nur passieren, wenn sich nach Ablauf der Evaluation mindestens 50 Prozent für diese Berufe entscheiden. Es muss hinterfragt werden, ob dies ein sinnvolles Entscheidungskriterium sein kann.

Zu begrüßen ist, dass nun hoffentlich der Weg frei ist für die bundesweite Schulgeldbefreiung für alle Auszubildenden, für die Einführung einer Ausbildungsumlage für die Altenpflege in allen Bundesländern sowie für die regelhafte Verankerung der hochschulischen Pflegeausbildung.

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