Pressemitteilung 06.04.2017

Weltgesundheitstag: Menschen mit Depressionen besser versorgen

Anlässlich des Weltgesundheitstages zum Thema Depression erklärt Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik:

Es ist gut, dass die WHO die Depression zum Thema des Weltgesundheitstags 2017 gemacht hat. Die WHO will damit dazu beitragen, dass Betroffene, aber auch deren Familien, Freunde und Kollegen, Hilfe suchen und diese auch erhalten. Nach wie vor sind Betroffene und Angehörige mit Vorurteilen konfrontiert und oft kommen Behandlung und Therapie erst viel zu spät und zu wenig aufeinander abgestimmt. Auch in Deutschland ist die Versorgung trotz einiger Verbesserungen noch lange nicht angemessen. Etwa neun Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Depression.

Die Politik ist gefragt, Versorgungstrukturen aufzubauen, die eine flexible und schnelle Behandlung ermöglichen, damit psychische Störungen nicht erst zur chronischen Krankheit werden und Menschen nicht aus dem Arbeitsleben und ihrem sozialen Gefüge reißen.

Damit Menschen in Krisen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen, muss das psychotherapeutische Angebot bedarfsgerecht ausgebaut und hierfür die Bedarfsplanung grundlegend reformiert werden. Es kann nicht sein, dass in zahlreichen Regionen, die rechtlich sogar als überversorgt gelten, Menschen weder Anlaufstellen bei akuten Krisen finden noch in zumutbarer Zeit einen Psychotherapieplatz erhalten.

Es ist gut, dass Menschen in Krisen seit dem 1. April kurzfristig in einer psychotherapeutischen Sprechstunde klären können, ob und welche Hilfe sie benötigen. Das Problem der langen Wartezeiten wird damit aber nicht gelöst. Denn die Anzahl der Behandlungsplätze erhöht sich nicht. Im Gegenteil: Die Reform der Psychotherapierichtlinie steht auf tönernen Füßen. Die Engpässe im ländlichen Raum und im Ruhrgebiet werden sich zuspitzen, wenn wegen der neuen Angebote noch weniger Zeit für die klassische Therapie bleibt. Allein das Wissen um die Notwendigkeit einer Psychotherapie hilft den Betroffenen wenig, wenn sie weiterhin monatelang auf den Therapiebeginn warten müssen.

Wir erwarten, dass die neuen Angebote bei den Patientinnen und Patienten ankommen und nicht durch unterschiedliche Interessen der Selbstverwaltungspartner blockiert werden. Zu einer hochwertigen Versorgung gehört auch, dass Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten eine angemessene Vergütung für ihre Arbeit erhalten, die sie nicht immer wieder vor dem Bundessozialgericht erstreiten müssen.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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