Pressemitteilung 03.08.2017

Agrarexport: Kein Anlass für Eigenlob

Zum Agrarexportbericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft erklärt Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik:

Mit dem Bericht will Minister Schmidt seine exportorientierte Agrarpolitik feiern - doch für Eigenlob gibt es keinen Anlass. Im Jahr 2016 wurden Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 67,9 Milliarden Euro ausgeführt. Die Agrarexporte steigen seit 1991 fast kontinuierlich an. Doch wer profitiert? Zumindest nicht die Bäuerinnen und Bauern oder die Arbeiterinnen und Arbeiter in der verarbeitenden Industrie. Die Bauern ächzen unter dem enormen wirtschaftlichen Druck und sind viel zu häufig mit Existenzängsten konfrontiert.

Nach den Angaben von Minister Schmidt hängen über 300.000 Arbeitsplätze vom Export ab. Dies sind jedoch auch viele Arbeiter an den Fließbändern der Fleischverarbeiter, die in Knebelverträgen durch ausländischer Subunternehmer ausgebeutet werden. Tatsächlich nehmen die Arbeitsplätze in der Landwirtschaft laufend ab. Allein seit 2005 wurden 336.000 Arbeitskräfte weniger in der Landwirtschaft gezählt als im vergangenen Jahr und besonders stark nehmen Familienarbeitskräfte ab. Seit 1990 hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von über 600.000 auf 275.000 im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Die Anzahl tierquälerischer Langstreckentransporte hat sich multipliziert, die Konzentration in der Tierhaltung und damit die Belastung des Wassers mit Nitrat nimmt zu, Monokulturen nehmen zu, die Artenvielfalt nimmt ab. Alles zur Steigerung der Exportzahlen. Denn diese Entwicklungen sehen wir nicht trotz, sondern wegen des Exportbooms.

Wir müssen unsere bäuerliche Landwirtschaft fördern, nicht immer mehr die Exportindustrie befeuern. Doch statt dieses gesellschaftliche Ziel zu verfolgen, verteilt der Minister viel Geld an wenige Großbetriebe. Die Agrarpolitik der Union mit ihrer Exportversessenheit und den ungesteuerten Direktzahlungen in dieser Form ist schädlich und sinnlos.

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