Pressemitteilung 08.03.2017

Lebensmittel-Ampel ja- aber nicht so

Zur heutigen Vorstellung einer farbig unterlegten Nährwertkennzeichnung (Ampel), konzipiert von sechs führenden multinationalen Lebensmittelunternehmen (Unilever, Mars, Nestlé, Coca-Cola, PepsiCo, Mondelez), erklärt Nicole Maisch, Sprecherin für Verbraucherpolitik:

Es kommt wieder Fahrt in die Diskussion um die dringend notwendige Nährwertampel. Wäre sie gut gemacht, würde sie den Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, schnell zu erkennen, ob zu viel Zucker, Salz oder Fett in einem Lebensmittel enthalten sind. Der heutige Vorschlag ist dafür leider völlig ungeeignet – schlimmer noch: Es ist Verbrauchertäuschung, wenn Zucker-, Fett- oder Salzgehalt pro Portionsgröße und nicht pro 100 g bzw. 100 ml den Ausschlag geben.

Da die Unternehmen ihre Portionsgrößen selber festlegen, wird der große Vorteil der Ampel unterlaufen: Die einfache Vergleichbarkeit von Produkten. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Unternehmen regelmäßig zu kleine Portionsgrößen nennen, um den Eindruck einer geringeren Kalorienaufnahme zu erzeugen. Verbraucherstudien haben belegt, dass immer größere Portionen und somit auch mehr Kalorien zu sich genommen wurden. Zudem orientieren sich Unternehmen an den laschen Vorgaben der EU Kennzeichnungsverordnung. Der EU-Bezugswert liegt bei Zucker beispielsweise bei 90 g pro Tag, obwohl die WHO nur einen Verzehr von höchstens 50 g pro Tag empfiehlt. Die aktuell geltende EU-Regelung führt auch in Kombination mit Portionsgrößen also dazu, dass selbst stark gezuckerte Produkte nicht mit rot gekennzeichnet werden müssten.

Wir fordern eine Lebensmittel-Ampel auf Basis einer klaren 100g/100ml Vergleichsgröße. Und wir fordern die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für die Überarbeitung der EU-Kennzeichnungsverordnung einzusetzen. Die Bezugswerte für Zucker, Fett und Salz müssen sich an wissenschaftlichen Empfehlungen von Gesundheitsorganisationen wie der WHO orientieren.

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher

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