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Pressemitteilung 13.09.2018

Freiwilligendienst "weltwärts" darf keine Einbahnstraße bleiben

Zum zehnjährigen Jubiläum des entwicklungspolitischen Freiwilligendienstes "weltwärts" erklärt Ottmar von Holtz, Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung:

Hinter dem "weltwärts“-Programm steckt der gute Wille, interkulturellen Austausch zu fördern, bei der Umsetzung hapert es jedoch: Insbesondere bei der Entsendung von internationalen Freiwilligen aus Ländern des Globalen Südens nach Deutschland hat das Programm bisher versagt. Es kommen viel zu wenige junge Menschen über den Austausch nach Deutschland, vor allem weil die Visavergabe so restriktiv gehandhabt wird. Wir fordern: "weltwärts" darf keine Einbahnstraße bleiben! Langfristig sollen genauso viele junge Menschen aus anderen Ländern einen Freiwilligendienst in Deutschland machen wie umgekehrt. Die Bundesregierung muss die Süd-Nord-Komponente des Programms stärken, damit es endlich mehr ist als nur ein postkoloniales Feigenblatt!

Rund 35.000 junge Deutsche hatten bisher die Gelegenheit, ein anderes Land kennenzulernen, im Schnitt also 3.500 pro Jahr. Doch beim Austausch in die andere Richtung hakt es gewaltig. Selbst die Zielvorstellung der Bundesregierung ist lächerlich gering: 800 Personen pro Jahr sollen über "weltwärts" aus dem Ausland zu uns kommen. Aber nicht einmal diese Zahl wird in absehbarer Zeit erreicht: Vergangenes Jahr lag die Zahl der Freiwilligen aus anderen Ländern bei gerade einmal 550. Aus manchen Staaten kommt lediglich eine einzige Person.

Knackpunkt sind die Visaverfahren, die viel zu häufig mit einer Ablehnung enden. Die standardmäßig aufgeführten Gründe lauten: Zweifel an Motivation und Rückkehrbereitschaft der Antragstellenden, mangelnde Sprachkenntnisse sowie fehlende familiäre und wirtschaftliche Verwurzelung im Heimatland. Diese Begründungen gehen am Wesen des Austauschprogramms völlig vorbei; hier muss die Bundesregierung dringend etwas ändern. Denn: Wie soll ein junger Mensch mit rund 18 Jahren in einer Art und Weise "familiär und wirtschaftlich verwurzelt" sein, wie es zum Beispiel eine Person Mitte Dreißig mit Ehepartner und Kindern und einem gut laufenden eigenen Betrieb ist? Auch fehlende Sprachkenntnisse sollten kein pauschales Ausschlusskriterium sein, denn der Aufenthalt dient ja gerade dazu, die Sprache zu lernen und auch viele der deutschen Freiwilligen lernen die Sprache ihres Gastlandes erst vor Ort. Durch die restriktiven Auflagen werden Visa nur jungen Menschen aus sehr wohlhabenden Familien gewährt. Wir sollten aber verhindern, dass die Süd-Nord-Komponente von "weltwärts" ein reines Förderprogramm für lokale Eliten wird, statt einen sinnvollen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung vor Ort zu leisten.

 

Die Fraktionspressestelle auf Twitter: @GruenSprecher